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Mitreden beim Thema Hasspostings: Wie gefährlich ist der Hass im Netz?

Ein Urteil gegen Hasspostings auf Facebook - erwirkt durch eine Klage von Eva Glawischnig - sorgt derzeit für Aufregung. Aber: Woher kommt all der Hass im Internet? Wie gefährlich ist er? Diskutieren Sie mit!

Eine "miese Volksverräterin" sei sie, bekam Eva Glawischnig auf Facebook zu hören. Die ehemalige grüne Politikerin wollte das nicht hinnehmen. Sie klagte daraufhin das Soziale Netzwerk und verlangte, sowohl das Posting zu löschen als auch sinngleiche Beleidigungen vom Netz zu nehmen. Nun hat der Europäische Gerichtshof zugunsten von Glawischnig entschieden: Facebook kann weltweit gezwungen werden, Hasspostings zu löschen, heißt es im Urteil.

Ob dieses wirklich ein "Meilenstein im Kampf gegen den Hass im Netz" ist, wie Glawischnigs Anwältin erklärte, wird sich noch zeigen. Es ist jedenfalls ein weiterer Versuch, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Denn die Kritik an Anfeindungen und Drohungen im Netz nimmt zu - von allen Seite: Bauern beklagen sich, dass sie als "mordende Tierquäler" verfolgt werden, der Anti-Rassismus-Verein Zara registriert eine Zunahme von Hasspostings, der Online-Hassreport sieht eine Zunahme antisemitischer Postings - und auch die rechte Plattform Unzensuriert.at will gegen Hasspostings vorgehen.

Der Hass überlagert das Gewissen, überlagert unser Menschsein.

Meinhard Lukas

Auf die Gefahren von Hasspostings weist auch Meinhard Lukas hin, der Rektor der Linzer Kepler-Uni. Und zwar in einer Rede anlässlich der Massenmorde von Schloss Hartheim, die in der "Presse" veröffentlicht wurde. Unser "humanes Menschenbild" würde ins Rutschen geraten, sagt er. Die Hasspostings seien "dramatisches Anschauungsmaterial" dafür. Und weiter: Die Sprache schaffe "eine gefährliche Distanz, würdigt eine Gruppe von Menschen herab, lässt kaum eine Empathie aufkommen. [..] Der Hass überlagert das Gewissen, überlagert unser Menschsein."

Wie kann man das Problem nun lösen? Das „digitale Vermummungsverbot“ etwa, das Türkis-Blau durchsetzen wollte, wird nicht nur positiv gesehen. „Die meisten Hasspostings erfolgen mit Klarnamen – die Verursacher sind also ohnehin bekannt“, schreibt etwa der Chef des Presserats, Alexander Warzilek, in einem Gastkommentar. Er warnt außerdem vor "ausgewachsenem Datenmissbrauch durch Hacker“.

Auch Manfred Seeh meint in einem Kommentar zu sexistischen Beleidigungen, dass man nicht alles juristisch lösen kann: "Es bräuchte Legionen von Staatsanwälten".

Nun ist Ihre Meinung gefragt: Wie gefährlich sind Hasspostings im Internet? Was kann man dagegen tun? Und: Wann ist die Grenze zur Meinungsfreiheit überschritten?