Schnellauswahl
Unruhen

Irak: „Wir wollen ein Land, in dem es sich leben lässt“

Aufstand im Irak. Demonstranten in Bagdad liefern sich Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften.APA/AFP/AHMAD AL-RUBAYE

Tausende gehen im Irak gegen Misswirtschaft, Korruption und den Einfluss Teherans auf die Straße. Die Regierung will die Proteste mit Gewalt unterdrücken.

Tunis/Bagdad. „Raus mit dem Iran, Freiheit für Bagdad“, riefen die einen. Andere skandierten den Schlachtruf des Arabischen Frühlings „Das Volk will den Sturz des Regimes“, während Schwaden von Tränengas durch die Straßen zogen. Seit drei Tagen erschüttert der seit Jahren schwerste Aufruhr den Irak, der vor allem unter der schiitischen Bevölkerung in der Hauptstadt, Bagdad, und im Süden des Landes um sich greift. Die Unruhen haben mittlerweile elf der 19 Provinzen erfasst, unter anderem die Pilgermetropole Najaf und die südirakische Hafenstadt Basra, die bereits 2018 wochenlange Tumulte erlebte.

Demonstranten errichteten Barrikaden mit brennenden Autoreifen. Öffentliche Gebäude wurden gestürmt und Geschäfte verwüstet. Nach offiziellen Angaben starben bisher rund 46 Menschen, mehr als 400 Menschen wurden verletzt – viele durch den Einsatz scharfer Munition. In der Nacht auf Donnerstag verhängte die Regierung „bis auf Weiteres“ eine generelle Ausgangssperre und ließ in weiten Teilen des Landes das Internet kappen.

Trotzdem gingen am Donnerstag offenbar erneut Abertausende Menschen auf die Straße und lieferten sich wieder blutigen Schlachten mit der Polizei. Die sogenannte Grüne Zone, in der viele Ministerien und ausländische Botschaften liegen, wurde abgeriegelt. Aktivisten aus Bagdad berichteten, es sei immer wieder Gewehrfeuer zu hören.