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Expo Real

So investieren die Österreicher

Ausländische Investoren können sich am Gemeinschaftsstand Europa Mitte schlaumachen.
Ausländische Investoren können sich am Gemeinschaftsstand Europa Mitte schlaumachen.(c) DMV Medien
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In München sind die Österreicher traditionell stark vertreten. Ein Blick in ihre Portfolios verrät, auf welche Schwerpunkte sie bei ihren Investmenttätigkeiten setzen.

Es zählt nicht die Größe eines Landes, sondern die Vielfalt der Marktteilnehmer. So gesehen darf man die Aktivitäten der österreichischen Unternehmen, die sich auf der Expo Real in München tummeln werden, durchaus als Stimmungsbarometer und Querschnitt betrachten, welche Assetklassen gefragt sind und welche weniger. Bei den Ländern stehen neben Österreich und Deutschland weiterhin Zentral- und Osteuropa im Mittelpunkt.

 

Dauerbrenner Deutschland

Laut dem Expo-Real-Stimmungsbarometer unter 1880 Teilnehmern erwartet die europäische Immobilienwirtschaft mehrheitlich erneut gute Ergebnisse für 2019. Diese positive Stimmung wird sich auch auf der Messe zeigen. Der Dauerbrenner scheint in jedem Fall Deutschland zu sein. „Unser Fokus liegt aktuell sicherlich auf Deutschland“, bestätigt Ernst Vejdovszky, Vorstandsvorsitzender der S Immo AG: „Hier interessieren uns in Berlin vorwiegend Büroimmobilien, in Sekundärstädten wie Leipzig oder Erfurt liegt unser Schwerpunkt im Wohnbereich.“ Nachdem die S Immo aber meist strategisch agiere, „werden wir auch anderswo nach interessanten Investitionsmöglichkeiten Ausschau gehalten, um verschiedene Märkte und Assetklassen miteinander zu kombinieren“, betont Vejdovszky. Rund 68 Prozent der Immobilien befinden sich in Österreich und Deutschland, die restlichen 32 Prozent verteilen sich auf Länder wie Kroatien, Ungarn, die Slowakei oder Rumänien.

Nach Jahren und Jahrzehnten auf den internationalen Märkten haben die heimischen Akteure jene Standorte gefunden, auf denen sie sich gut bewegen können. „Wir werden uns mit großer Begeisterung weiterhin auf unsere Hauptmärkte konzentrieren“, meint in diesem Zusammenhang Wolfdieter Jarisch, Vorstand der S+B Gruppe. In der tschechischen Hauptstadt wurde zuletzt das Hotel Panorama erworben. Auf dem Entwicklungsgebiet rund um das Landmark wurden schon in den vergangenen Jahren neue Objekte wie Trimaran oder Element realisiert. Allerdings blickt S+B noch weiter Richtung Südosten, wie Vorstand Franz Paul Bauer erklärt: „Parallel schließen wir einen Ankauf eines Büroprojekts im innersten Zentrum von Bukarest ab, und auch in Warschau arbeiten wir gleich an mehreren Due-Diligence-Prüfungen.“

 

Deutsche Hotels im Fokus

Die Stammländer der Delta Holding bleiben Österreich, die Slowakei, Tschechien und die Ukraine – „allerdings mit steigender Tendenz auch Deutschland“, wie Geschäftsführer Wolfgang Gomernik berichtet. Mit „Built-to-suite“ und als Totalunternehmer setzt man allerdings nicht auf spezielle Assets, „sondern auf Geschäfts- und Erlösmodelle, mit denen wir unsere Kunden bedienen können“. Die Warimpex Finanz- und Beteiligungs AG bleibt weiterhin in Zentraleuropa fest verankert, aber auch sie hört verstärkt den Ruf des deutschen Markts. Nachdem 2013 in München das Angelo Hotel verkauft wurde und in Berlin 2015 das Andel's Hotel in Berlin, ist das Unternehmen jetzt wieder in den deutschen Hotelmarkt eingetreten. The Hotel Darmstadt wird im Zuge eines einjährigen Revitalisierungsprogramms bei laufendem Betrieb der neuen Accor-Marke Greet angepasst. „Es ist unser Ziel, das bestehende Projekt in ein modernes und nachhaltig erfolgreiches Hotel und Konferenzzentrum zu transformieren“, sagt CEO Franz Jurkowitsch über das Investment. Nach dem Motto: Nütze, was du hast, und mache es zu etwas Besserem, ist Jurkowitsch überzeugt, „dass dies der richtige Schritt auf dem Weg zu moderner Nachhaltigkeit ist“.

Büro und Einzelhandel stehen im Fokus der Immofinanz – nicht nur auf der Expo Real. „Wir präsentieren unsere drei Marken – Myhive im Bürobereich sowie Stop Shop und Vivo! für unsere Einzelhandelsimmobilien“, erklärt CEO Oliver Schumy. Insgesamt wurden im laufenden Jahr 600 Millionen Euro in Topimmobilien und damit in das Wachstum des Bestandsportfolios investiert. Dabei handelte es sich unter anderem um Bürogebäude in Warschau und Prag und sechs Fachmarktzentren. „Auch wenn der Fokus weiterhin auf dem Wachstum im Büro- und Einzelhandelsbereich in unseren Kernländern liegt, so schließen wir nicht aus, mit unseren Retail Parks Stop Shops in neue Länder zu expandieren“, blickt Schumy in die Zukunft.

„Generell gewinnen Quartiere wieder mehr an Bedeutung“, meint Christoph Stadlhuber, Geschäftsführer der Signa Holding. Wohnen und Arbeiten verschmelzen immer mehr, und es entstehen Mischquartiere mit flexibler Nutzung. „Die Herausforderung für uns als Planer von Quartieren in den Innenstädten großer Metropolen besteht darin, eine neue, urbane Lebensqualität zu schaffen“, meint Stadlhuber. Interessante Länder sind für ihn die D-A-CH-Region und Italien.

Vor allem auf Büroimmobilien in Deutschland setzt hingegen die CA Immo. Laut einer aktuellen Bulwiengesa-Analyse ist das Unternehmen hinter der Zech Group inzwischen zum zweitgrößter Büroprojektentwickler in Deutschland aufgestiegen. „Wie einige andere Investoren auch, bauen wir im aktuellen Marktumfeld lieber selbst, als auf zur Portfoliostrategie passende Objekte zu warten“, beschreibt Andreas Quint, Vorstandsvorsitzender der CA Immo, die Strategie.

 

Engagement im Osten

Von Nord bis Ost reichen die Pläne der Schwestergesellschaften des Walter Business Park (WBP). Gerhard Müller, Geschäftsführer WBP: „Als Walter Immobilien planen wir auf neuen Wohnimmobilienmärkten wie beispielsweise der Stadt Kopenhagen zu investieren.“ Ein weiteres Schwesterunternehmen – die Walter Projekt – ist weiter im Osten engagiert und verfügt über Gewerbeliegenschaften in Österreich und Ungarn sowie Industrieliegenschaften in Russland, „die für die Entwicklung von Gewerbe- und Industrieobjekten vorgesehen sind“, erzählt Müller. Außerdem möchte man sich auf der Messe verstärkt mit zukünftigen Projektentwicklungen für die Distributionslogistik am Standort Wiener Neudorf und Budapest präsentieren.

 

EXPO REAL 2019

Die internationale Fachmesse für Immobilien und Investitionen findet vom 7. bis 9. Oktober in München statt. Österreich ist traditionellerweise mit den Gemeinschaftsständen Austria undEuropa Mitte vertreten. Unter den Mitausstellern am Austria-Stand finden sich Namen wie Porr AG, S Immo, Buwog Group, UBM Development oder die S+B Gruppe. Am Stand Europa Mitte sind 6B47 Real Estate Investors, Arnold Immobilien, Otto Immobilien, die Wien 3420 Aspern Development AG und heuer erstmals das AIT Austrian Institute of Technology und viele andere vertreten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2019)