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Finanzaufsicht

Geopolitische Rezession möglich

FMA-Vorstand schließt turbulente Zeiten für Finanzmärkte nicht aus.

Wien/APA. Mehr als zehn Jahre nach der weltweiten Finanzkrise der Jahre 2008/2009 sind bei Weitem noch nicht alle Probleme und Risken in der Finanzmarktbranche beseitigt. FMA-Vorstand Helmut Ettl schließt nicht aus, dass wieder „turbulentere Zeiten bevorstehen“.

In Anbetracht des anhaltenden Niedrigzinsumfelds, des weltweiten Handelsstreits, der Konflikte in der arabischen Welt, der nach wie vor bestehenden Bedrohung eines ungeordneten Brexit sowie der Krise des Multilateralismus, der von einem Multinationalismus abgelöst werde, könnte sogar eine „geopolitische Rezession“ ins Haus stehen, sagt Ettl. Vor diesem Hintergrund sei es entscheidend, dass die europäische Bankenunion weiter vorangetrieben werde, um den neuen Herausforderungen entgegentreten zu können. Daneben sei die Digitalisierung eine der größten Herausforderungen für die Finanzbranche. Die Regulierungsbehörde dürfe den digitalen Wandel nicht behindern, Regulierung müsse außerdem immer technologieneutral sein.

Auch Elke König, die Chefin der Bankenabwicklung in Europa (Single Resolution Fund/SRF), sieht bis zu einer vollendeten Bankenunion noch viel Arbeit auf die EU zukommen. „Ein einheitliches europäisches System zur Liquidation von Banken ist zentral“, sagt König. Hier handle das US-Pendant zum SRF, die US-Einlagensicherung FDIC, bereits deutlich effizienter und könne in Europa „als Inspiration“ dienen, sagt König. Um in dieser Thematik weiterzukommen und für mehr Stabilität zu sorgen, müsse man sich jedenfalls europäisch aufstellen, anstatt Banken jeweils nach nationalem Recht abzuwickeln.

Die Vorzüge des US-Systems gegenüber dem europäischen, in dem nach der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren wesentlich schneller und entscheidungsfreudiger gehandelt wurde als in Europa, hob auch der Chef der Bankenaufsicht der EZB, Andrea Enria, hervor. So hätten die Amerikaner die Banken deutlich schneller rekapitalisiert als die EU, gleichzeitig seien wesentlich mehr Banken gestorben, was zu einer Marktbereinigung geführt hätte, erläutert Enria. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2019)