Verhalten

Falsche Freunde auf Reisen

Wenn schon ein Wiener im Ausland: Die Order „I become a Schnitzel“ bringt ein paar Lacher.
Wenn schon ein Wiener im Ausland: Die Order „I become a Schnitzel“ bringt ein paar Lacher.(c) Getty Images/iStockphoto (bonchan)

Traut den Anglizismen nicht! Ein Handy ist kein Mobile. Und Chili con Carne gibt es auch nur zu Hause. Oder jedenfalls nicht dort, wo man glaubt. Gerade die Küche bietet Gelegenheiten, so richtig danebenzuliegen.

False Friends, falsche Freunde, nennen die Engländer jene Vokabeln oder Formulierungen, die irgendwie richtig klingen, aber gründlich falsch sind. Die berühmte „I become a Schnitzel“-Bestellung ist nur eine davon. Auf Reisen können diese falschen Freunde besonders mühsam werden, da sie manchmal nicht nur für Lacher sorgen, sondern auch wirklich in die Irre führen, etwa weil man mit Begeisterung nach dem falschen Begriff googelt.

Es heißt schlicht „Herbstlaub“

Ein hübsches Beispiel hierfür ist der „Indian Summer“ an der US-Ostküste, der mit seiner intensiv-bunten Laubfärbung jedes Jahr Touristen aus aller Welt anzieht. Und die deutschsprachigen unter ihnen dazu motiviert, im Netz nach den entsprechenden Landkarten von Neuengland zu suchen, die jeden Herbst anzeigen, wo sich das Laub wann zu verfärben beginnt. Allerdings führt die Netzsuche nach „Indian Summer Maps“ zu genauso wenig Ergebnissen wie die Frage an die meisten Einheimischen, wo sich dieser Effekt gerade besonders prächtig beobachten lässt. Was keineswegs boshaft ist, sondern damit zu tun hat, dass der Begriff in diesem Zusammenhang in den USA nicht verwendet wird. Der Indian Summer ist dort der Altweibersommer; und das, was der deutschsprachige Tourist so gern fotografieren würde, nennt sich schlicht „Fall Foliage“, also Herbstlaub. Unter diesem Begriff sind sowohl allfällige Suchereien im Internet als auch die Fragen vor Ort zielführend.

Chop Suey und Chili con Carne

Unendliche Möglichkeiten danebenzuliegen bietet die Kulinarik, vor allem dann, wenn man davon überzeugt ist, die landestypischen Gerichte zu kennen und diese entsprechend selbstbewusst bestellt. Zum Beispiel Chili con Carne in Mexiko, das dort – wenn überhaupt – nur in einer kleinen Region im Norden bekannt ist. Dann aber meist ohne Fleisch und ganz, ganz sicher ohne Mais serviert wird. Auch wer in China endlich einmal das echte Chop Suey kosten möchte, wird nicht fündig werden, denn dieses Gericht existiert dort nicht. Allerdings bedeutet „tsap seui“ laut dem Kulturhistoriker Eugene N. Anderson im kantonesischen Dialekt so viel wie „verschiedene Reste“. Sehr appetitanregend.

Die Suche nach einem saftigen Steak vom Grill ist dagegen in den USA dann zum Scheitern verurteilt, wenn man in ein BBQ-Restaurant geht. Dort findet man jede Menge Ribs, Pulled Porks, Briskets und andere Fleischspezialitäten – wer das sucht, was daheim auf den Griller kommt, ist allerdings in einem expliziten „Steakhouse“ deutlich besser aufgehoben.

Würstel, Brot und Schaumstoff

Die Außenstellen der Österreich Werbung (ÖW) wissen ebenfalls um die Missverständnisse kulinarischer und anderer Art, mit denen sich die Gäste aus dem Heimatland in ihren Einsatzorten konfrontiert sehen. Was bekanntermaßen schon damit beginnt, dass in Deutschland und der Schweiz die Frankfurter Würstel unbekannt sind und dort als Wiener beziehungsweise Wienerli serviert werden. Im Gegenzug kennt man in dänischen Bäckereien kein Kopenhagener Gebäck oder die im Englischen bekannte „Danish Pastry“ – denn dieses ist unter der Bezeichnung Wienerbrød, Wiener Brot, erhältlich. Auch mit dem Versuch, etwas weiter nördlich „Schwedenbomben“ zu finden, ist der österreichische Reisende zum Scheitern verurteilt. Zwar gibt es die schaumige Köstlichkeit auch in Schweden, jedoch heißt sie dort Gräddbullar. Der Begriff Schwedenbombe ist ebendort nach Aussage der örtlichen Vertreter der Österreich Werbung genauso unbekannt wie die „schwedischen Gardinen“.

Falsche Trinksprüche

Die russische ÖW-Außenstelle nennt dagegen den nicht nur bei Österreichern weit verbreiteten Glauben, dass das Glas in Russland grundsätzlich mit dem Ausspruch „Na Zdorovye“ zu heben ist. „Allerdings ist das falsch“, erklären die Österreich-Repräsentanten. „,Na Zdorovye‘ wird im Sinne von „gern geschehen“ oder „bitte“ als Antwort auf ein Danke verwendet. Wenn Russen und Russinnen anstoßen, sagen sie ,Za Zdorovye‘ (auf die Gesundheit), ,Za Druzhbu‘ (auf die Freundschaft) oder ,Za Nas‘ (auf uns) oder dergleichen. Ohne ein ,Za‘ kommt kein Toast aus – ein kleiner, aber feiner Unterschied!“

Auch die alte Weisheit, dass nichts Österreicher und Deutsche mehr trennt als die gemeinsame Sprache, hat nach wie vor ihre Richtigkeit. So berichtet die Außenstelle der Österreich Werbung, dass man mit Begriffen wie Jänner oder Bestellungen in Dekagramm-Einheiten in Deutschland nach wie vor nicht weit kommt. Wobei die Lieblingsnachbarn wiederum mit unserem sprichwörtlichen „Das geht sich aus“ bis heute nicht viel anfangen können. Richtig missverständlich werde es dann für die Österreicher aber bei ihrer Suche nach einem geeigneten Platz zum „Ausrasten“. Denn das beschreibt im Bundesdeutschen höchstens eine Art von Tobsuchtsanfall – und keinen Platz zum Chillen.

Umgekehrt geht es aber natürlich auch – über die Alpenrepublik kursieren ebenso viele fast richtige Fehlvorstellungen wie in Österreich über die Welt. So berichtet beispielsweise die italienische ÖW-Repräsentanz von der dortigen festen Überzeugung, dass es in Wien einen „Ballo delle debuttanti“ gibt, also einen Ball exakt dieses Namens, auf dem die Mädchen debütieren. „Es ist schwierig zu erklären, dass ein Ball mit diesem Namen nicht existiert, sondern dass es auf sehr vielen Bällen Debütantinnen gibt – am Opernball, Philharmonikerball, Kaffeesiederball und so weiter“, erklären die Österreich-Vertreter vor Ort.
Und dass in Österreich kaum jemand all die hübschen Lieder aus „The Sound of Music“ von Kindesbeinen an vor sich hin trällert, das ist für viele Besucher ohnehin kaum zu glauben. (SMA)