Digital Mindset beginnt in der Geschäftsführung

Die Teilnehmer des Branchentalks (v. l. n. r.): Manfred Eierle (ServiceNow), Jan Leitermann (OMV), Michael Linhart (Raiffeisen Informatik), Martin Fluch (A1 Telekom) und Alain Badoux (ServiceNow).Richard Tanzer

ADVERTORIAL Die digitale Transformation gelingt den heimischen Unternehmen nur, wenn von der Führungsebene bis zum untersten Mitarbeiter alle auf die Reise mitgenommen und vorbereitet werden.

Gemeinsam mit dem Unternehmen für digitale Workflows, ServiceNow, lud „Die Presse“ am 18. September zu einem Branchentalk rund um das Thema „Digitalisierung“. Es gibt keine Branche und kein Unternehmen, das sich der digitalen Transformation entziehen kann. Über die Chancen und Herausforderungen diskutierten unter der Moderation von Michael Köttritsch, „Die Presse“, Jan Leitermann, Group CIO & Digital Officer OMV, Martin Fluch, Director ICT Services A1 Telekom Austria AG, Michael Linhart, Vorsitzender der Geschäftsführung und CEO Raiffeisen Informatik, sowie von ServiceNow Alain Badoux, Area VP Alps+CEE, und Manfred Eierle, Director Sales Strategy – EMEA.

Den meisten Unternehmern ist inzwischen klar, dass an der Digitalisierung kein Weg vorbeiführt, dennoch tun sich viele schwer bei der Umsetzung. Das liegt meist am fehlenden Digital Mindset. Erst wenn man auch im Kopf für den Wandel bereit ist, steht einer erfolgreichen digitalen Transformation nichts mehr im Weg. Kurz gesagt: Die Kultur muss stimmen. So bemüht sich etwa die OMV, eine Kultur aufzubauen, damit der Öl- und Gaskonzern offen für Innovationen bleibt. „Zwei Komponenten sind beim Digital Mindset entscheidend: Die Technologie, die Prozesse erleichtert, und der richtige Umgang mit diesen Technologien“, sagte OMV-CIO Jan Leitermann.

Digital Mindset

„Das Wissen und die Nützlichkeit der neuen Technologien muss in die Köpfe unserer Mitarbeiter.“ A1 ICT Service Director Martin Fluch knüpfte bei der richtigen Anwendung an. „Es ist eine sehr kundenzentrierte und nutzerorientierte Denkweise notwendig. Keine der großen digitalen Technologien wäre so erfolgreich, wenn sie nicht so nutzerfreundlich wäre“, sagte Fluch. „Wir müssen Werkzeuge für Mitarbeiter und Kunden finden, die man gern nutzt.“ Digital Mindset führt zu einer Wertschöpfung, die nicht nur am Umsatz orientiert sein sollte, sondern auch den Blick auf die Attraktivität eines Unternehmens schärft. Wer mit der Zeit geht und beim digitalen Wandel Schritt hält, ist als Arbeitgeber und Partner attraktiv. „Je besser wir unsere Prozesse optimieren und je leichter es ist, mit uns zu kooperieren, desto größer ist der Wert für das Unternehmen“, sagte Leitermann. Auf jeden Fall müsse man die Fehler der Vergangenheit vermeiden – das bedeute keine Einzellösungen mehr, stattdessen Plattformen schaffen.

Alain Badoux von ServiceNow beobachtet, dass Unternehmen bei der Auseinandersetzung mit neuen Technologien oft nur von Kundenexperience sprechen. Das sei zu kurzsichtig. „Natürlich ist es essenziell, mehr für den Kunden zu tun, aber man vergisst dabei häufig die Experience für die eigenen Mitarbeiter“, so Badoux. „Erleben die Mitarbeiter im eigenen Unternehmen großartige Anwendererlebnisse, schaffen sie automatisch eine gute Kundenexperience.“ Mit den neuen Technologien verändert sich auch die Geschwindigkeit. Entwicklungen wie das Internet der Dinge setzen für die Kunden voraus, just in time bedient zu werden.

Rahmenbedingungen

Vernetztes Arbeiten wird immer wichtiger, und hier nehmen Plattformen eine große Rolle ein. Bei A1 schafft man Attraktivität für Mitarbeiter durch neue Werkzeuge, die es ihnen ermöglichen, agil zu arbeiten. „Apps sind hier wertvolle Tools“, sagte Fluch. „Von modernen Apps erwartet sich der Anwender, die gesuchten Informationen umgehend verfügbar zu haben.“ Die große Herausforderung ist, trotz der gesamten Komplexität, die dahintersteckt, den Zugang so einfach wie möglich zu machen. „Die richtige Info sofort zu finden, das ist der Mehrwert von digitaler Technologie und beschleunigt Prozesse enorm“, definierte Leitermann eine erfolgreiche Experience, betonte aber auch, dass Tools für die Mitarbeiter umso wertvoller seien, wenn jeder damit seine Individualität ausleben könne. „Digital Mindset bedeutet auch, den Mitarbeitern den Freiraum zu geben, welche Tools sie anwenden“, erläuterte Leitermann.

Welcher Rahmenbedingungen bedarf es jedoch, damit sich Mitarbeiter und Führungskräfte in diese Richtung bewegen und weiterentwickeln können? „Es braucht den Mut zur Veränderung“, brachte es Manfred Eierle von ServiceNow auf den Punkt. „Das betrifft nicht nur die Technologie, sondern auch vielfach Organisation und das Entschlacken von alteingesessenen Prozessen. Man muss im Sinne von Output denken.“ Eierle brachte den Onlineversandhändler Amazon als Beispiel: Der Internetriese ist heute weltweit größter Buchhändler, indem von Anfang an berücksichtigt wurde, was dem User wichtig ist, und ein Service geschaffen wurde, bei dem sich der Kunde um nichts kümmern muss. „Wenn es gelingt, die gesamte Komplexität in einer für den Kunden einfachen Lösung zu präsentieren, dann hat man einen klaren Vorteil“, so Eierle. Für Raiffeisen Informatik-Chef Michael Linhart führt kein Weg an Feedbackschleifen herum. „Man muss näher an das Business heranrücken und ausprobieren.“

Das führt zu einer unmittelbaren Rückmeldung und zeigt, ob Dinge funktionieren oder nicht. „Dabei muss es auch erlaubt sein, Fehler machen zu dürfen“, so Linhart. „Fehler sind in unserer Kultur leider negativ behaftet, dabei lassen sich daraus Learnings ziehen, aus denen man sich weiterentwickeln kann.“ Neben dem Näherrücken an die Kunden ist entscheidend, sich als Unternehmen stärker zu öffnen für Partnerschaften. „Alles selbst zu machen ist nicht zwingend sinnvoll“, sagte Fluch und empfiehlt das Zulassen anderer Ideen. „Wir haben einen eigenen A1 Startup Campus, an dem wir bewusst seit Jahren mit Start-ups zusammenarbeiten. Das bringt einerseits neue potenzielle Geschäftsideen, andererseits kann der Austausch mit jungen Unternehmen traditionellen Unternehmen helfen, Blickwinkel zu verändern und agiler zu werden.“

Führungskraft voran

Agiler werden, Fehler zulassen – all das ist nur möglich, wenn die Führungsebene die Kulturveränderung mitträgt. „Sie müssen dementsprechend ausgebildet werden, damit sie als Role-Models dienen und die Agilität vorleben“, sagte Leitermann von der OMV. Keine leichte Aufgabe, weil sich der Begriff von Leadership verändert. Linhart brachte einen treffenden Vergleich: „Früher war es die Aufgabe des Chefs, zu bestimmen und zu kontrollieren – heute ist er eher Regisseur, der dafür sorgt, dass die Mitarbeiter bestmöglich ihre Skills einbringen können.“ Um diese Rolle vorleben zu können, bedarf es Faktoren wie Kommunikation, Offenheit und Transparenz. Fluch bezeichnete Kommunikation als optimales hierarchiereduzierendes Mittel. „Bei A1 haben wir eine Art internes Facebook eingeführt. Dort wird über alle Hierarchiegrenzen hinweg sehr offen über die unterschiedlichsten Themen diskutiert.“ Alain Badoux erinnerte daran, auch die Digital Natives stärker einzubeziehen: „Sie bringen Experience und Know-how bereits mit.“

Damit musste aber auch das Thema Fachkräftemangel angesprochen werden. „Durch Digitalisierung wird IT als Basiskenntnis vorausgesetzt für alle Branchen“, sagte der A1 ICT Services Director. „Gerade ein kleines Land wie Österreich muss sich überlegen, wie wir schneller zu noch mehr ausgebildeten Fachkräften kommen.“ Eine der besonders kritischen Punkte bei der Umstellung auf eine digitale Kultur ist das Thema Sicherheit. In einer digitalisierten Welt wird immer mehr miteinander verbunden. Da ist Sicherheit ein wichtiger Aspekt. „Auf den Plattformen muss sichergestellt sein, dass alle Datenschutzvorgaben und Persönlichkeitsrechte eingehalten werden, und das ist unsere wichtigste Aufgabe“, sagte Fluch. Sicherheit bedeutet aber auch, den Mitarbeitern aufzuzeigen, dass der Arbeitsplatz durch die Veränderung weniger in Gefahr ist, wenn man sich mitentwickelt, als wenn man veränderungsresistent bleibt. Bei der OMV versucht man dem mittels strukturiertem Skillpoolmanagement entgegenzuarbeiten.

Früher wurde Innovation bei großen Konzernen häufig von innen getrieben. Allmählich bekommen sie ein Verständnis für Open Innovation und gehen vermehrt Partnerschaften ein, etwa mit Start-ups oder Unis. Die Wirtschaft profitiert davon, weil sie schneller vorankommen kann. „Das zeigt sich zum Beispiel bei dem Thema 5G-Technologie. A1 nimmt den steigenden Bedarf der heimischen Wirtschaft an Entwicklungspartnerschaften wahr“, sagte Fluch. Bei aller Euphorie gab Alain Badoux zu bedenken, dass Innovation in verschiedenen Industrien durch Regulatorik stark beeinflusst wird. Für jedes größere Unternehmen wird es eine Top-Herausforderung, die beiden Themen Digitalisierung und Regulatorik unter einen Hut zu bringen.