Bebauung

Ein Haus am Wörthersee

Grüne Inseln. An ein paar Stellen wirkt der Wörthersee tatsächlich wenig verbaut.
Grüne Inseln. An ein paar Stellen wirkt der Wörthersee tatsächlich wenig verbaut.(c) Getty Images/iStockphoto (HannaGottschalk)

Die Ufer sind seit jeher heiß begehrt, daher zeigt die Bebauung alle möglichen Stile: Zwischen der historischen Substanz und funktionellen Objekten mehren sich Belege einer neuen Wörthersee-Architektur.

Ein eigenes Schloss am Wörthersee – das ist für viele ein Begehr, die am Ufer ein weiteres Domizil suchen. Der Immobilienmarkt am größten Kärntner See wird aber von einem geprägt: vom Mangel. Nicht viele Objekte kommen zum Verkauf, wenngleich es phasenweise etwas Nachschub gibt, vor allem durch Wohnungen in Apartmentanlagen, wie sie in den vergangenen Jahren vor allem am Südufer, in Reifnitz, in Dellach, in Auen bei Schiefling entstanden sind. Bei einigen größeren Projekten befinden sich Investoren und Entwickler noch in der Verhandlungs- und Planungsphase, was unter anderem dazu führt, dass an prominenter Stelle am Strand ein langer Bauzaun stehen kann. Abzuwarten, was genau aus früheren, aufgegebenen Hotelanlagen wird, sprich, wie sich moderner Hotelbetrieb und private Wohnansprüche verbinden werden. Größere Liegenschaften oder gar prominente historische Objekte jedoch sind absolute Raritäten – und wenn sie zur Disposition stehen, wechseln sie mit großer Diskretion den Besitzer, in aller Stille, sodass es vor Ort manchmal auch ganz still bleibt. Solche Schmuckstücke sind dann vor allem ein Investment, eine Reserve.

Kommt hinzu, dass sich wie überall im Luxussegment die Preise weiter nach oben entwickelt haben – der Platz am Ufer ist schließlich nicht vermehrbar, wie etwa bei Premiumlagen in den Bergen. Bis zu 6000  Euro pro Quadratmeter werden etwa für ein Grundstück mit direktem Seezugang gezahlt, die 10.000-Euro-Marke bei neuen Wohnungen beim Wasser wurde längst überschritten. Große Objekte mit mehr als dem Wörthersee-üblichen Grund performen ohnedies im höheren Millionenbereich.

Repräsentation. Die Häuser am Wörthersee stehen meist selbstbewusst in der ersten Reihe, sie dienen zwar der gediegenen Freizeit, der Sommerfrische, aber auch der Repräsentation. Das gilt für damals, die noble Vorhut der Ferienwohnsitze im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, genauso wie für die aktuelle Generation einer Art Wörthersee-Architektur, die die Grundstücke oft bis aufs maximal Mögliche auszufüllen scheint – verständlich meist bei den verfügbaren Quadratmetern. Diese lichten Kuben aus Glas und Stahlbeton, die sich seit einigen Jahren hinter der Uferkante reihen, nehmen noch mehr Kontakt zum See auf als ihre reservierten Vorgänger aus der Gründerzeit und der Ära des Jugendstils, weil sie sich nur selten abschotten, sondern offene Blickbeziehung zum Draußen aufnehmen wollen. Das heißt: große Fensterfronten versus kleinteiliger Kastenfenster, großflächige Jalousien statt filigraner Balken, gebäudebreite Terrassen statt dezenter Balkone, glatte Oberflächen statt fein ziselierter Fassadenteile, einfache Gliederung statt Risalite, Erker, Türmchen, Giebel, Veranden und komplexe Dachlandschaften. Neue Architektur am Wörthersee entstammt einer anderen Haltung als zu jenem Zeitpunkt, als sich mit dem Wörthersee Sommerfrischeneuland erschlossen hat. Der Ausbau der k. u. k. Südbahn 1868 leistete neuen Gästen Vorschub, dem aufkeimenden Tourismus Nachschub. Großbürgerliche und aristokratische Kreise mieteten sich in den Etablissements am Wörthersee ein – den
damaligen Ferienresorts mit Hotellerie, Mietvillen, Salons, Gastronomie und Freizeitinfrastruktur wie Badehaus oder Tennisplatz. Kuranwendungen freilich inbegriffen, plus waldiges Hinterland zum Promenieren, das noch lange nicht von einer Autobahn durchschnitten war. Schnell kamen sie auf den Geschmack zu bleiben, man engagierte Architekten aus den großen Städten der Monarchie, um sich Villen und Landhäuser an das kaum bebaute, landwirtschaftlich genutzte Ufer stellen zu lassen. Bekannte Architekten und Baumeister prägten das Ufer, Franz Baumgartner ganz besonders: Er plante Villenensembles in Pörtschach und Krumpendorf, große Objekte wie das Hotel Kointsch in Velden oder Nutzbauten wie das Forstseekraftwerk in Techelsberg. Auch Josef Victor Fuchs hinterließ ansehnliche Beispiele der Wörthersee-Architektur wie das Werzer-Bad. Carl Langhammer wiederum wird etwa die Villa Miralago (oben) und Villa Seehort zugeschrieben. Obwohl über die Jahre einige Objekte dieser Wörthersee-Architektur geschleift oder umgebaut worden sind, dominiert, zumindest abschnittsweise, das Bild einer Art ans Wasser transferierter Wiener Cottage. Das zeigt auch die „Landkarte Wörthersee Architektur" von Architekt Heimo Kramer in Zusammenarbeit mit dem Architektur Haus Kärnten, die nun in erweiterter Form – mit zeitgenössischen Villen (links) – vorliegt.

Stilmix. Wie in vielen Orten, an denen sich früh exklusiver Nebenwohnsitz bilden konnte, ist die Bebauung rasant vorangeschritten. Große Grundstücke wurden geteilt, diese wiederum in Streifen, manche sagen „Handtücher" – und weiter verbaut. Dadurch bietet sich ein hybrides Schaubild der Stile, vor allem vom Wasser aus: Da kommt ein historischer Einbau aus Holz neben einem Siebzigerjahreobjekt mit Walmdach zu stehen, dazwischen mischen sich Interpretationen von Toskanahäusern, alpinen Chalets und funktionellen Bade- und Bootshütten. Vor allem aber fallen die schlichten, mehrgeschoßigen Volumina mit ihren Fensterflächen ins Auge. Doch es mehren sich Beispiele von Architektur, die sich wirklich mit der Natur und dem Gelände arrangieren will: eingerahmt von Bäumen und Schilf.

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