Hotspots am Meer

Uferstreifen: Wohnen am Wasser

Ahoi. Montenegro ist ein neuer Hotspot, hier das Projekt Luštica Bay in Tivat.
Ahoi. Montenegro ist ein neuer Hotspot, hier das Projekt Luštica Bay in Tivat.(c) Luštica Bay

An die Küste! Wo Österreicher gern in das Prädikat „unverbaubarer Meerblick" investieren: die Hotspots an der Adria und auf den Balearen.

Wohnen am Wasser wollen viele, in heimischen Gefilden gestaltet sich die Realisierung dieses Wunsches aber oft schwierig. Denn an den populären Seeufern der Republik gibt es kaum etwas zu kaufen – die Wartelisten sind lang, die Preise hoch. Deshalb schaut sich der gelernte Österreicher auch an den Küsten anderer Länder nach Immobilien an der Wasserlinie um. „Grundsätzlich interessiert sich dabei die Mehrzahl der Käufer für Immobilien in Europa", weiß Peter Marschall, Inhaber des gleichnamigen Wiener Immobilienunternehmens. Ganz oben auf der Liste stehen klassische Lieblingsurlaubsziele wie die Balearen und die Adria-Anrainer, wobei sich das Angebot an Luxusimmobilien vor allem auf der östlichen Seite der Adria in den vergangenen Jahren mächtig gemausert hat. Gab es in Kroatien und Montenegro einst zwar wunderbare Küsten und sauberes Wasser, war es um das Angebot an hochwertigen Immobilien eher mäßig bestellt; außerdem war die Rechtslage nach dem Krieg für Käufer eher unübersichtlich.

Das habe sich aber beides in der jüngeren Vergangenheit zum Vorteil verändert, berichtet Eggert Koch, Inhaber von Koch Real, dessen Wiener Unternehmen vor allem in Kroatien aktiv ist: „Es gibt inzwischen viele Topobjekte, die im höheren Preissegment angesiedelt sind – wenn auch im Vergleich zu anderen Mittelmeerküsten noch verhältnismäßig günstig." Im Bereich rund um Split und Zadar liege der Preis für schöne Liegenschaften bei rund zwei Millionen Euro, „es sind auch noch einige schöne Flecken zu haben." Er gibt allerdings eine Besonderheit des kroatischen Marktes zu bedenken, die die Entscheidung für die Lage der Ferienimmobilie entscheidend beeinflussen kann: „In Kroatien sind fünf Meter des Strandes grundsätzlich öffentlich und gehören der Stadt", weiß der Makler. „Diesen Teil kann man zwar nutzen, er muss aber frei zugänglich bleiben." Daher könne es durchaus eine Überlegung wert sein, etwas weiter außerhalb sein Refugium zu haben, dessen Wasserlinie etwa durch Felsen eher keine Spaziergänger anlockt. „Dann wohnt man zwar etwas abgelegen, aber es kommt auch keiner."

Nach Krk und Montenegro. „Istrien und beispielsweise die Insel Krk, auf die wir uns derzeit auch konzentrieren, sind zumindest von Südösterreich aus gut mit dem Auto zu erreichen", sagt Koch, „und nach Split gibt es sehr gute Flugverbindungen." Umstände, die schön langsam immer mehr heimische Zweitimmobilienkäufer zu schätzen wissen. Seit zwei bis drei Jahren beobachtet Koch ein kontinuierliches Ansteigen der Preise, nachdem die Nachfrage direkt nach dem EU-Beitritt des Landes zunächst eher verhalten geblieben ist. „Schön langsam werden die Leute aber wach."

Und sie gehen teilweise auch noch weiter in den
Süden, wo ebenfalls Entwickler auf finanzkräftige Kundschaft aus dem deutschsprachigen Raum setzen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Luštica Bay, das derzeit im montenegrinischen Tivat entsteht und Meeresluxus im großen Stil vermittelt. Eine ganze Kleinstadt wird hier im Lauf der kommenden sieben bis zehn Jahre auf einem Gelände von knapp siebenhundert Hektar in einer Adriabucht entstehen; sieben Hotels – das Chedi Luštica Bay ist bereits eröffnet –, zwei Häfen, ein 18-Loch-Golfplatz, eine Schule, ein Gesundheitszentrum, Shoppingmeilen, Bars, Restaurants und nicht weniger als 2000 Immobilieneinheiten inklusive.

Die ersten 300 sind bereits gebaut und großteils bezogen, wie Marketing- und Verkaufsleiter Ahmed Zaki berichtet, Marina Village sei vollständig in Betrieb und 90 Prozent der Einheiten verkauft. Die Community besteht aus Bewohnern aus knapp 40 Ländern; besonders stark sind die Nationen Spanien, Italien und Frankreich vertreten – und die deutschsprachigen Länder. „Heuer haben wir eine besonders starke Nachfrage aus Österreich und Deutschland zu verzeichnen, weil es jetzt neue Flüge aus München, Stuttgart und Frankfurt nach Tivat gibt", sagt Zaki. Wer sich in dem „Global Village", in dem aber bei aller Liebe zum internationalen Klientel auf heimische Architekten, Designer und Materialien gesetzt wird, einkaufen will, kann das zu Preisen ab 120.000 Euro für Apartments ohne Meerblick bis zur Marina Villa um wohlfeile 2,1 Millionen tun, wobei der Grund und Boden der ganzen Anlage nur gepachtet ist.

Jesolo is back! Auch die andere Seite der Adria erfreut sich seit eh und je der Liebe der Österreicher. Wobei Namen wie Jesolo und Lignano eine ganze Weile eher nicht in einem Atemzug mit Luxusurlauben genannt wurden. Das ändert sich aber gerade wieder, wie Marschall weiß: „Derzeit entwickelt beispielsweise Falkensteiner in Jesolo ein Fünf-Sterne-Haus in erster Meereslinie, in dem auch Luxusapartments mit Hotelanbindung zum Verkauf stehen." Außerdem sei in Italien natürlich Grado nach wie vor sehr gefragt; genau wie Sardinien, wo bekanntlich die ganz reichen Menschen unter sich bleiben.

Gleich nach der Adria stehen auf der Liste der liebsten Meeresimmobilien bei Herrn und Frau Österreicher die Balearen, und hier vor allem Mallorca, berichtet Marschall: „Dabei spielen natürlich die exzellenten Flugverbindungen eine Rolle, aber auch die super Infrastruktur und Schönheit der Insel." Denn neben einer bekannt guten Gastronomie und Hotellerie gäbe es eine erstklassige ärztliche Versorgung, was besonders ältere Immobilienkäufer zu schätzen wüssten. Genau wie die Tatsache, dass so gut wie alle Dienstleister auf der Insel Deutsch sprechen.

Villen und Fincas. „Die" Lage der Österreicher gäbe es auf der Insel nicht, so Marschall, vielmehr verteile sich das Interesse auf die Gegend rund um Palma, wo sich diejenigen einkaufen, die die Nähe zur Stadt zu schätzen wissen. Dann steht Andratx als erste Adresse der Insel hoch im Kurs, wobei die Preise entsprechend weit oben angesiedelt sind. Während bei jenen Kunden, die eher naturverbunden sind, wandern oder Rad fahren wollen und die Ruhe suchen, der Nordosten und die Finca als Wohnform ganz oben auf der Liste stehen. „Die Preise auf der Insel haben in den vergangenen drei bis vier Jahren wieder angezogen", berichtet der Makler, „auch wenn Mallorca nie so stark unter der Immobilienkrise gelitten hat wie das Festland." So werden für Häuser in der ersten Meereslinie aktuell zwischen drei und 15 Millionen aufgerufen, für Apartments in guten Lagen zwischen 8000 und 12.000 Euro pro Wohnquadratmeter.

Und was tut sich in Sachen Wohnen am Wasser für die Österreicher in Übersee? Dort sind sie eher selten zu finden. „Wenn, dann am ehesten noch in Florida oder der Karibik", sagt Marschall, vereinzelt gäbe es auch immer mal wieder Nachfrage nach Objekten auf Mauritius oder den Seychellen. Aber das seien wirkliche Ausnahmen, „die Mehrzahl kauft definitiv in Europa".

Strandlagen

Im Kommen. Kroatien und Montenegro steigen in der Gunst der Immobilienkäufer, die nach einer Wasserlage suchen. Beliebt sind Istrien, die Bereiche rund um Split und Zadar, die Insel Krk und der Norden Montenegros.

Wieder da. Jesolo, Lignano, Grado werden immer mehr auch für ein Luxusklientel interessant, Mallorca war und ist das schon immer. Ausschlaggebend für die Attraktivität ist speziell die Erreichbarkeit, entweder dank einer geringen Distanz, die per Auto zu bewältigen ist, oder durch gute Flugverbindungen.

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