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Autonomes Fahren

So fühlt man sich im fahrerlosen Bus

Der „Digibus“ auf Testfahrt.
Der „Digibus“ auf Testfahrt.Salzburg Research

In Salzburg wird erprobt, wie ein automatisierter Kleinbus als Zubringer zu öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert. Es geht dabei nicht nur um Technik, sondern auch um Emotionen.

Technisch funktioniert der selbstfahrende Bus relativ problemlos. Er bleibt an der Haltestelle selbstständig stehen, öffnet die Türen und zuckelt dann mit 15 Stundenkilometern weiter zum nächsten Stopp. Doch wie fühlt man sich als Passagier, wenn man in so einem autonomen Fahrzeug unterwegs ist? Dieser Frage geht das Team für intelligente Mobilität bei Salzburg Research derzeit auf den Grund.

Die Forscher beschäftigten sich mit der Frage, wie automatisierte Kleinbusse im öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt werden können. In der Flachgauer Gemeinde Koppl ist der Bus zu ausgewählten Terminen unterwegs. Bei jeder Fahrt muss – wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben – ein Operator im Bus sein, der im Fall des Falles auch manuell steuern könnte. Bei Testfahrten auf einem abgesperrten Gelände am Salzburgring war der Bus kürzlich erstmals ohne Operator komplett fahrerlos unterwegs. Das Sicherheitsnetz bildete eine externe Leitstelle, die bei Problemen erreichbar war. Bei den Testfahrten, an denen insgesamt 18 Menschen unterschiedlichster Altersgruppen teilgenommen haben, soll herausgefunden werden, wie es Passagieren geht, wenn kein Fahrer oder Operator im Bus ist.

 

Pöbler und Pannen

„Damit eine Innovation angenommen wird, braucht es nicht nur die technischen Voraussetzungen. Man muss auch die künftigen Nutzer frühzeitig einbinden“, erklärte Siegfried Raich, Geschäftsführer von Salzburg Research, anlässlich der Testfahrt. Ein selbstfahrender Bus ist nur marktfähig, wenn er als sicher empfunden wird. Die Angst davor, in der Nacht allein in einem Bus ohne Fahrer angepöbelt zu werden, kann beispielsweise ein Grund sein, warum jemand in so ein Fahrzeug nicht einsteigen will. Erst wenn auch solche Fragestellungen gut gelöst sind, wird sich eine Innovation durchsetzen, sind die Forscher überzeugt.

Die Passagiere wurden bei den Testfahrten mit unterschiedlichen Situationen konfrontiert. So mussten alle Probanden eine Fahrt völlig allein im Bus absolvieren. Ein anderes Mal waren sie mit einem unangenehmen Fahrgast allein im Bus. Eine technische Panne wurde ebenso simuliert wie ein Stopp an der Haltestelle, an der mehr Personen zusteigen wollten, als Plätze frei waren. „Die ersten Reaktionen der Tester waren durchwegs sehr positiv“, berichtet Projektleiterin Cornelia Zankl. Im nächsten Schritt werden die Fragebögen der Probanden ausgewertet. Außerdem sollen weitere mögliche Szenarien bei Testfahrten durchgespielt werden. Die Laborsituation soll den Forschern Aufschluss darüber gehen, welche Maßnahmen oder Hilfestellungen es in heiklen Situationen braucht.

Unterdessen geht aber auch der Betrieb auf der Teststrecke zwischen dem Ortszentrum von Koppl im Salzburger Flachgau und der Bushaltestelle an der Wolfgangsee-Bundesstraße in eine neue Phase. Im kommenden Frühjahr wird Salzburg Research vom Gelegenheitsverkehr auf eine getaktete reguläre Anbindung an den herkömmlichen Bus umstellen. Damit soll sich zeigen, ob der autonome Bus als Shuttle für die letzte Meile zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln und Wohnort, Schule oder Arbeitsplatz tatsächlich angenommen wird. Ein Operator wird bei diesem Testbetrieb aber immer noch mit an Bord sein – bis der selbstfahrende Bus wirklich ganz allein fährt, wird es noch dauern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2019)