Die Sonos-Welt wird größer, dank dem einst verschmähten Bluetooth.
Testbericht

Sonos Move: Der will auch draußen spielen

Lang hat sich der US-Soundspezialist Sonos gegen Bluetooth gesträubt. Nun wagt sich deren erster Lautsprecher hinaus in die großen Weiten des Gartens und Balkons.

Sonos ist seit 2002 am Markt. Der Name des US-Audioherstellers leitet sich aus dem lateinischen sonus (Klang) ab. Dieser stand seitdem auch immer im Vordergrund. Die eigenen vier Wände sollten durch guten Klang erfüllt werden. Dafür setzte man seit jeher auf WLAN. Bluetooth zur Vernetzung wurde immer kategorisch ausgeschlossen. Bis jetzt, denn mit dem Sonos Move verlässt der Hersteller erstmals seine Komfortzone.

In Berlin erklärte ein Sonos-Sprecher gegenüber der „Presse am Sonntag“: „Wir wollen unseren Nutzern die Wahl geben, wie und wo sie Musik hören wollen.“ Auch wenn dieses Eingeständnis recht spät kommt, ist der Move aber gar nicht so beweglich. Mit drei Kilogramm ist es ein Lautsprecher, der gern einen Fixplatz hätte.

Mit der Griffmulde auf der Rückseite lässt sich der Move leichter tragen. Ansonsten ist er mit drei Kilogramm kein Leichtgewicht.(c) Sonos

Egal, ob drinnen oder draußen. „Der Move ist nicht dafür gedacht, ihn spontan für ein paar Stunden mit an den See zu nehmen. Für ein paar Tage auf einer Skihütte schon eher.“ Das kann die Testerin bestätigen, vorausgesetzt, das Auto kommt bis vor die Haustür, sonst muss man sich den Musikgenuss schon verdienen.

Für Feinschmecker

Der wasserfeste und staubgeschützte Lautsprecher (IP-56-Zertifizierung) hat einiges zu bieten. Verbaut sind zudem ein etwa acht Zentimeter großer Tieftöner sowie ein kleiner Hochtöner. Letzterer sitzt kopfüber in einem Schallverteiler, der die hohen Töne über einen kleinen Zwischenraum entlässt, wodurch er über die Seiten erstreckt. Das hat den Vorteil, dass sich der Klang in alle Richtungen gleichmäßig verteilt. Musik wird angenehm ausgewogen abgespielt, lediglich bei den Bässen ist die Box übermotiviert. Und selbst bei hoher Lautstärke verzerrt die Box nicht und gibt klar Musik wieder.

Beim Design bleibt sich Sonos treu.(c) Sonos

Seine wahren Vorteile spielt der Move aber erst so richtig aus, wenn man den Ort des Geschehens wechselt. Die hauseigene Trueplay-Funktion, eine automatische Ausmessung des Raums, erkennt die geänderten Rahmenbedingungen automatisch. Möglich wird das durch die eingebauten Mikrofone. Darauf greifen nicht nur Amazons Alexa oder Googles System zu. Trueplay überprüft den Klang der Musik und vergleicht ihn mit dem Soll.

Guter Klang mit Einschränkungen

2017 präsentierte Sonos seinen ersten Lautsprecher mit Alexa-Integration. Der Sonos One konnte beim Klang zwar überzeugen, Alexa eher weniger. Generell präsentierte sich das Gerät als Betaversion, da viele Funktionen erst nachgereicht wurden.

An der Akku-Anzeige direkt am Gerät hat Sonos gespart.(c) Sonos

Zwei Jahre später ist alles ein bisschen anders. Die zuvor als besonders schwierig dargestellte Implementierung zweier Assistenzsysteme funktioniert jetzt. Alexa oder Google sind beim Move mit an Bord. Eine Parallelnutzung ist dennoch nicht möglich. Und sobald sich die Box über Bluetooth verbunden hat, ist es sowieso vorbei mit den Assistenten, die stehen nämlich nur im WLAN zur Verfügung. Genauso wie die Sonos-App selbst. Denn auch die funktioniert weiterhin nur mit verbundenem WLAN. Wer den Move mit Bluetooth-Verbindung nutzt, muss das über einen der Musikdienste tun. Das scheint ebenso inkonsequent wie der tatsächliche Schritt, das Gerät portabel zu gestalten. Zwar hat es eine Griffmulde, um es von A nach B zu tragen. Aber auf die Akkuanzeige direkt am Gerät scheint man vergessen zu haben. Die Batterie hält knapp elf Stunden durch, aber wer nicht die Zeit stoppen will, kann sich nur überraschen lassen. Denn die App bietet zwar diese Info, aber diese ist nur im WLAN verfügbar.

Die Rückseite ist ebenfalls schlicht gehalten.(c) Sonos

Sollte das Gerät im Bluetooth-Modus außer Haus genutzt werden und keine Stromquelle vorhanden sein, kann man sich mit einem Akku-Pack behelfen, denn das Gerät wird per USB-C geladen. Im Netzbetrieb wird es in eine dezent gestaltete Ladestation gestellt.

Für einen Preis von 400 Euro ein fataler und zugleich banaler Fehler. Wer einen flexiblen, portablen Lautsprecher will, ist mit dem Sonos Move nicht bestens beraten. Für stationären Musikgenuss hat Sonos zahlreiche günstigere Alternativen. Auf der IFA präsentierte der US-Hersteller auch einen Lautsprecher, der gänzlich auf eine Integration eines Assistenten verzichtet. Hingegen jene, die ein Kombigerät für drinnen und draußen mit guter Soundqualität suchen, sind mit dem Sonos Move gut beraten. Auch wenn ein paar Abstriche bei der Nutzung zu machen sind, wenn auch nicht beim Klang, denn hier spielt Sonos seine Know-How überzeugend aus.