Song der Woche

Wie Gretchen am Spinnrad

Nick Cave.
Nick Cave.

Nick Cave, geb. 1957 in Australien, hat „Ghosteen“, sein 16. Album mit den Bad Seeds, zunächst nur immateriell veröffentlicht. Als CD und auf Vinyl erscheint es erst am 8. November.

Nick Cave: „Spinning Song“. Nick Cave, Sohn eines Literaturprofessors und einer Bibliothekarin, hat sich stets für die Theorie der Poesie interessiert, etwa 1998 an der Wiener „Schule für Dichtung“ gelehrt. So ist es bewusst eingesetzte romantische Ironie, wenn er sein neues Album mit einem „Spinning Song“ beginnt: Er weiß, dass Gretchen am Spinnrad gesungen hat, dass eines von Mendelssohns „Liedern ohne Worte“ als „Spinnerlied“ bekannt ist. Und er spielt mit der zweiten Bedeutung von „to spin“: In diesem ätherischen Song, der „yearned to be sung“, dreht sich das Szenario dauernd. Er beginnt mit Elvis (einem alten Motiv Caves), kommt vom König auf die Königin, auf den Garten, auf ein Nest, auf einen Vogel, auf eine Feder . . . Schließlich schwebt die Feder himmelwärts, der Blick dreht sich auf den Hörer, der am Küchentisch Radio hört: In diesem singt Cave über Liebe und Frieden – mit unheimlich hoher Stimme, von Engelschören begleitet. Seltsam.

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Christoph Sepin (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4.

Weitere Infos auf www.diepresse.com/songderwoche und www.fm4.ORF.at.