Morgenglosse

Zeit der Rituale

Präsident Alexander van der Bellen und ÖVP-Chef Sebastian Kurz.APA/HELMUT FOHRINGER

Sebastian Kurz bekommt heute den Auftrag zur Regierungsbildung. Ab jetzt können wir uns auf langwierige Verhandlungen einstellen.

Man muss kein großer Prophet sein, um sagen zu können: Heute wird Sebastian Kurz den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten. Größerer prophetischer Gabe bedarf es schon vorauszusagen, wie es enden wird. Denn keine der möglichen Varianten drängt sich wirklich auf - und keine kann zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen werden.

Die Grünen wollen prinzipiell regieren und wären als Wahlsieger neben der ÖVP auch prädestiniert dafür. Aber gerade sie haben auf inhaltlicher Ebene die größte Kluft zur Volkspartei. Von atmosphärischen Störungen reden wir da noch gar nicht. Und die Grünen wissen: Wenn das mit dem Regieren schief geht, können sie rasch wieder in das nächste Wahldebakel schlittern.

Die Sozialdemokraten wollen prinzipiell auch regieren, sind aber nach der Wahlniederlage schwer angeschlagen. Das macht sie auch für den Koalitionspartner schwer ausrechenbar: Niemand weiß, wer dort in wenigen Monaten das Sagen haben wird. Und in welche Richtung die Partei sich bewegen wird.

Und die Freiheitlichen haben ebenfalls eine Wahlniederlage erlitten und sind für die nächste Zeit mit sich selbst beschäftigt. Zudem haben sie eine Regierungsbeteiligung schon ausgeschlossen. Das wiederum muss aber kein Ausschließungsgrund sein. Wer weiß, welche Dynamiken sich in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln? Und ob die FPÖ dann nicht plötzlich doch wieder mitmischt?

Denn eines kann doch prophezeit werden: Jetzt ist die Zeit der Rituale, der Tarnungs- und Täuschungsmanöver. Diese Regierungsbildung wird sich über einige Monate hinziehen. Schnell geht da nichts.