Ihre Meinung

Mitreden über Kirche & Ökologie: Welche Reformen braucht es?

Am Sonntag hat die dreiwöchige Amazonas-Synode der südamerikanischen Bischöfe im Vatikan begonnen. Diskutieren Sie mit: Ist der Schwerpunkt dieser Synode der richtige? Soll eine Lockerung der Priesterweihe kommen?

Mit einer feierlichen Messe im Petersdom hat am Sonntag die dreiwöchige Amazonas-Synode mit Papst Franziskus begonnen. Die 283 Teilnehmer, darunter Bischöfe und Ordensvertreter vor allem aus Ländern der südamerikanischen Amazonasregion, mehrere Kardinäle und Ordensleute diskutieren über „Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie". Im Mittelpunkt stehen soll einerseits die zunehmende Ausbeutung der Rohstoffe im Amazonasgebiet (Stichwort: Amazonasbrände) und die Probleme, die das verursacht sowie die Herausforderungen der Seelsorge in einem Gebeit mit wenigen Priestern wie diesem.

Aber auch um grundlegende allgemeine Fragen der katholischen Kirche soll es diesmal gehen, dazu gehört die Rolle von Frauen in der Kirche genauso wie die Bedingungen für die Priesterweihe. Dietmar Neuwirth umreißt die Themen der Synode in seiner Kolumne „Glaubensfrage“ so: „Kirchenintern und gerade in Ländern wie Deutschland und Österreich interessiert weniger die erwartbare Kapitalismuskritik als eine andere Frage: Werden die Zulassungsbedingungen für Priester gelockert? Dürfen Männer, die verheiratet sind (und allenfalls Kinder haben), die Priesterweihe empfangen?“.

Grundlage für die Amazonas-Synode ist das rund 140 Seiten starke Vorbereitungsdokument "Instrumentum laboris", das vom vatikanischen Synodensekretariat im Juni veröffentlicht wurde. Dafür wurden über ein Jahr lang auf 260 Vorbereitungstreffen Themen und Anliegen vor Ort in Lateinamerika sondiert.

Die Beratungen während der Synode umfassen Debatten im Plenum, an denen auch der Papst teilnimmt, und Kleingruppenarbeit. In der letzten Sitzungswoche verabschieden die Synodenteilnehmer ein Schlussdokument, das Papst Franziskus übergeben wird. Die Ergebnisse dieser Synode sind nicht bindend, dienen aber dem Papst als Basis für weitere Entscheidungen.

Hans Winkler widmet sich der Amazonas-Synode ausführlich und kritisch in seiner Kolumne „Deja-vu“. Er kommt zum Schluss, dass „die Aufhebung der Zölibatsverpflichtung kein theologisches Problem wie die Kommunion für Wiederverheiratete darstellt. Sie auch nur regional freizugeben wäre allerdings ein Bruch mit einer Tradition, der die Kirche um ein herausragendes Merkmal ihrer sozialen Gestalt bringen würde.“ 

Neuwirth mahnt hingegen: „Gerade in einer Organisation wie der katholischen Kirche (aber nicht nur dort) ist es ratsam, Schritte bedächtig zu setzen, einen nach dem anderen.“ Und er erinnert daran, dass diesmal übrigens auch Frauen bei der Synode zugelassen sind: „Genau 35, ohne Stimmrecht, weil es das Kirchengesetzbuch nicht zulässt. So viel dazu.“ 

Das Minimum, das für Beobachter vorstellbar wäre: Papst Franziskus öffnet die Tür für Viri probati. Andere fordern mehr, wollen die Rolle der Frau neu definiert und aufgewertet sehen, treten für Diakoninnen ein. So verständlich die Ungeduld ist, dieser Wunsch wird - jetzt - nicht erfüllt werden.

Dietmar Neuwirth

Nun ist Ihre Meinung gefragt: Wie stehen Sie zu den Themen dieser vom südamerikanischen Papst angestoßenen Synode? Ist es glaubwürdig, wenn die katholische Kirche über Fragen wie die Rolle der Frau und die Voraussetzungen der Priesterweihe diskutiert? Muss die Kirche Schritte der Erneuerung und Moderniesierung setzen und wenn ja, welche zuerst?

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