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Szenarien

Steirische ams hält sich bei Osram die Türen offen

REUTERS
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Nach dem Scheitern des Übernahmeangebots von ams für den deutschen Licht- und Sensorikkonzern Osram wird der Kampf um das Unternehmen zur Geduldsprobe.

Der steirische Halbleiterkonzern ams hat bei der geplanten Übernahme des Lichtspezialisten Osram die eigenen Ziele knapp verfehlt. Am Ende hatte nur etwas mehr als die Hälfte der Aktionäre ams ihre Osram-Aktien angedient. Es hätten  aber 62,5 Prozent sein sollen. Der Markt reagiert verunsichert,  wie die Kurskapriolen der ams-Titel zeigen.

Zunächst schienen jene Anleger Oberhand zu haben, die sich über das Scheitern der Übernahme freuten. Spekulationen über  eine neue Offerte setzen den anfänglichen Kursgewinnen aber ein jähes Ende und schickten die Anteilsscheine gen Süden. In Händlerkreise gibt es für die negative Marktreaktion zwei Hauptgründe: Zum einen wird die negative Marktreaktion bei Osram auf den ams-Kurs umgewälzt. Die Titel verloren bis zu fünf Prozent. ams hält bekanntlich  knapp ein Fünftel der Osram-Papiere und verliert somit bei jedem Kursverlust von Osram mit.

Vor allem aber wird gemutmaßt, ams könnte eine nochmals  höhere Offerte für Osram aus dem Hut zaubern. ams selber hatte am Freitag angekündigt, dass alle strategischen Optionen weiter geprüft würden. ams-Chef Alexander Everke will mit Osram-Chef Olaf Berlien sprechen, um die Übernahme auf anderen Wegen doch zu verwirklichen: "Im Dialog mit Osram wollen wir auf unserer Stellung als größter Aktionär aufbauen, um weiter den vollen Erwerb von Osram zu verfolgen und so eine solide Zukunft für das Unternehmen zu sichern." Denn an der Sinnhaftigkeit der Übernahme habe sich nichts geändert. "Wir haben sie zu Gesprächen eingeladen und müssen sehen, was das Ergebnis sein wird", sagte Osram-Finanzvorstand Ingo Bank über den steirischen Sensorhersteller ams am Montag dem Wirtschafts- und Finanznachrichtensender CNBC.

Die Investoren Bain und Advent, die ebenfalls ein Angebot angekündigt haben, seien noch mit der Prüfung der Bücher beschäftigt. Dies werde in einigen Wochen beendet sein. "Aber es ist im Moment noch nicht klar, ob sie ein bindendes Angebot abgeben werden", sagte Bank.

Möglichkeiten jenseits der Übernahme

Laut Vontobel-Experte Mark Diethelm könnte es nebst  einer Übernahme auch ein Joint-Venture oder eine Zusammenarbeit  zwischen Osram und ams geben. Er hält eine Kombination von ams und Osram nach wie vor  für technologisch sinnvoll. Viele Investoren sehen hingegen für den Fall eines  neuerlichen Übernahmeangebots rot. So wurde in den letzten  Wochen von Investoren auf die bereits hohe Verschuldung des  österreichischen Unternehmens verwiesen, die mit der Osram- Übernahme noch ausgeweitet würde. Zudem gab es Zweifel an den  Synergieeffekten und generell an der Logik des  Zusammenschlusses.

Sicher ist, dass es für neuerliche Avancen Hürden gibt.  Eine solche könne in den nächsten zwölf Monaten nämlich nur mit der Erlaubnis von Osram abgegeben werden, wurde am Montag in  verschiedenen Analystenkommentaren betont. Auch einem weiteren  Kauf von Osram-Papieren am Markt sind regulatorische Grenzen gesetzt.

Der Experte von LBBW sieht in solchen Zukäufen "nach dem  Erhalt der fusionskontrollrechtlichen und anderen regulatorischen Freigaben" jedoch ein wahrscheinliches Szenario. Denkbar sei jedoch auch eine neuerliche Offerte der unterlegenen Finanzinvestoren Advent und Bain. In einem solchen Fall sei es möglich, dass ams die Beteiligung zum Kaufpreis oder sogar mit Gewinn loszuwerden, hiess es dazu bei Barclays.

Am Montagmorgen hatten diverse Analysten noch darauf
gehofft, dass der Osram-Deal zu den Akten gelegt werden könnte.  Für den Hauck&Aufhäuser-Experten Christian Sandherr war nun die
Zeit gekommen, sich wieder auf die eigentliche Geschäftstätigkeit von ams zu konzentrieren. Und diesbezüglich zeigte sich der Experte optimistisch: Er sieht die Ziele des Unternehmens für das dritte Quartal, die einen veritablen Wachstumssprung und eine Ebit-Marge von über 25 Prozent vorsehen, als erreichbar an und kann sich für das Schlussquartal auch eine Anhebung der Ziele vorstellen.

Ähnlich sah es ZKB-Experte Andreas Müller: "Der Fokus dürfte damit wieder auf den operativen Ergebnissen sein, die für das abgelaufene dritte Quartal mit fulminantem Wachstum auftrumpfen werden", schrieb er. Er erinnerte etwa an Berichte von japanischen Medien, wonach ams-Hauptkunde Apple die bestellten Produktionsmengen jüngst erhöht habe.

Die NordLB hat  am Montag das Kursziel für Osram von 41 auf 39 Euro gesenkt und stuft die Aktie mit "Halten" ein. Wie es nun mit dem deutschen Lichttechnik-Spezialisten weitergehe, sei völlig offen, schrieb NordLB-Analyst Wolfgang Donie in einer aktuellen Analyse. Er sieht drei Optionen: Osram bleibt selbstständig und kooperiert möglicherweise mit ams. Der steirische Konzern stockt seine Beteiligung auf 30 Prozent auf und unterbreiten ein Pflicht-Übernahmeangebot. Die zuvor überbotenen Finanzinvestoren Advent und Bain machen ein erhöhtes Kaufoffert.

Die Commerzbank hat Osram nach dem gescheiterten Übernahmeversuch  von "Hold" auf "Reduce" abgestuft und das Kursziel von 41 auf 34 Euro gesenkt.  Angesichts der Tatsache, dass ams inzwischen einen Anteil von knapp 20 Prozent an dem deutschen Beleuchtungshersteller hält, rechne er nicht mit einem besseren Übernahmeangebot durch private Beteiligungsgesellschaften, schrieb Analyst Sebastian Growe in einer am Montag vorliegenden Studie. Zwar könne ams einen weiteren Vorstoß wagen, doch auf kurze Sicht glaubt Growe eher an eine mögliche Kooperation.

(APA/awp/dpa)