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Roubini: "Casino in Las Vegas stabiler als Finanzmärkte"

Roubini, Professor of Economics at New York University and Chairman of Roubini Global Economics speak
(c) REUTERS (Mike Segar)
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Der US-Ökonom Nouriel Roubini, auch bekannt als "Dr. Untergang", tourt mit seinem Buch "Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft" um die Welt. Der Meister düsterer Wirtschaftsprognosen wird demnächst auch Filmstar.

Am Freitag stellte der US-Ökonom Nouriel Roubini sein Buch "Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft" in Frankfurt vor. Der 52-jährige Roubini ist besser bekannt als "Dr. Doom" (Dr. Untergang), weil er die Finanzkrise 2008 vorhersagte. Frankfurt war aber nur eine Station von vielen seiner PR-Tour in eigener Sache. Mitte Mai stellte er sein Buch in den USA vor, gestern konfrontierte er Zuhörer in Sao Paulo mit seinen düsteren Prognosen und in der heutigen Ausgabe der "Financial Times" macht er Vorschläge, wie die Eurozone die Schuldenkrise überwinden könne.

Sein Ruhm führt auf eine Rede am 7. September 2006 an der New York University zurück. Er beschrieb darin haargenau, dass der US-Immobilienmarkt kollabieren und das weltweite Finanzystem mit in den Abgrund reißen werde. Damals wurde er nur belächelt. Doch das Blatt hat sich gewendet.

Dr. Doom als Kinostar

Der Krisenprophet hat es weit gebracht und kann von seinem Pessimismus mittlerweile gut leben. Laut "Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung" darf Roubini gleich in zwei Kinofilmen mitspielen. Sowohl in "Wall Street 2" von Oliver stone als auch in "Inside Job" von Charles Ferguson spielt sich Roubini selbst: "Den Professor, der vor der Krise warnt. Ich weiß auch nicht, ob ich überhaupt etwas anderes könnte". Zum Spekulanten ist er jedenfalls nicht geeignet. "Ich war zu ängstlich", zitiert ihn die FAZ.

Roubini wird in der Öffentlichkeit durchwegs als Radikaler wahrgenommen. Tatsächlich ist der Ökonom aber "ideologisch keineswegs festgelegt, sondern bekennender Eklektiker. Er bedient sich bei der streng marktwirtschaftlichen österreichischen Schule der Nationalökonomie ebenso wie bei den Keynesianern", schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Die linken Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Paul Krugman haben ihn ebenso beeinflusst wie der konservative Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson.

"Jede Rettungsaktion schafft neue Blasen"

In seinem Buch analysiert Roubini die aktuelle Krise und zeigt, was noch kommen kann: Demnach bleibt die Weltwirtschaft auch nach der ersten Erholung höchst fragil. Roubini kritisiert, dass es vielerorts wieder zu Finanzexzessen komme und die weltweiten Ungewichte auf den Märkten weiter bestehen bleiben. Die Gefahr eines erneuten Absturzes sei groß.

Roubini geizte bei der Buchvorstellung in Frankfurt nicht mit Zitaten: "Jede Rettungsaktion schafft Blase, nach Blase, nach Blase", sagte Roubini laut "Wirtschaftswoche".  Oder: "Im Casino in Las Vegas kann man seine Wettchancen ausrechnen, auf den Finanzmärkten nicht - also ist das Casino stabiler".

"Staaten haben nicht genug Geld zur Bankenrettung"

Er skizzierte auch die Problematik der Schuldenkrise der Staaten: "Vor der Krise schon waren Banken zu groß, um ausfallen zu dürfen, in der Krise haben sie sich zusammengeschlossen – und jetzt haben wir noch größere Banken, die noch viel weniger kollabieren dürfen. Die Staaten aber haben nicht mehr genug Geld, sie zu retten."

"Die Krise ist in der Privatwirtschaft entstanden, die Verluste aber wurden sozialisiert", so Roubini. Zudem fehle den Staaten seit Jahren der Mut zu Lösungen. Im Vordergrund stünden panikartige Geldflutungsaktionen. Erforderlich seien jedoch strengere Eigenkapitalregeln für Banken und eine internationale Regulierung der Finanzmärkte.

Zweite Rezession droht

Am Montag erklärte er in Sao Paulo, dass den Industriestaaten wegen ihrer Schuldenlast eine zweite Rezession drohe. Zumindest müssten sich die Länder angesichts hoher Arbeitslosigkeit und klammer Staatskassen auf eine jahrelange Wirtschaftsflaute einstellen.

"Die Sparquote muss in den kommenden Jahren schneller steigen als der Konsum. Deshalb wird das Wachstum schwach bleiben." In den Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und China (Bric-Staaten) gebe es dagegen Anzeichen für eine wirtschaftliche Überhitzung. Er rechnet daher in den nächsten zwei bis drei Jahren mit einer Deflation in Japan, Europa und den USA, wie er in Frankfurt sagte.

(phu)