"I've done before!"

Trump droht mit Zerstörung der türkischen Wirtschaft

Archivbild. Erst gewährte Donald Trump dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, in Syrien einzumarschieren - gefolgt von Drohungen.
Archivbild. Erst gewährte Donald Trump dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, in Syrien einzumarschieren - gefolgt von Drohungen.APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI

Sollte die Türkei in Syrien Tabus brechen, die der US-Präsident auf Twitter nicht weiter definiert, werde er die türkische Wirtschaft auslöschen, so Trump, der sich als „großartig und unvergleichlich“ weise bezeichnete.

Der mögliche Einmarsch der Türkei in Nordsyrien, der Rückzug der US-Truppen - das alles sorgte am Montag für gehöriges Aufsehen. Es sah alles danach aus, als würde US-Präsident Donald Trump der Türkei einen Einmarsch in Nordsyrien gewähren. Montagabend unserer Zeit feuerte er auf Twitter angesichts massiver Kritik an seiner Entscheidung des Rückzugs aber diffuse Drohungen an die Türkei ab. "Wenn die Türkei irgendetwas unternimmt, was ich in meiner großartigen und unvergleichlichen Weisheit für tabu halte, werde ich die türkische Wirtschaft vollständig zerstören und auslöschen", schrieb er am Montag auf Twitter.

Trump machte nicht deutlich, was genau gegen seine "Weisheit" verstoßen würde. Trump war davor auch von Vertrauten wie dem US-Senator Lindsey Graham vorgeworfen worden, die bisherigen kurdischen Verbündeten in Nordsyrien im Stich zu lassen

Der einflussreiche US-Republikaner Graham nannte Trumps Entscheidung „impulsiv“. Damit hätte er „alle Gewinne, die wir gemacht haben, zu Fall gebracht, die Region in weiteres Chaos gestürzt", sagte Graham, der ein enger Vertrauter Trumps ist, am Montag dem TV-Sender Fox News.

Auf Twitter erklärte Graham, er wolle im Senat eine Resolution einbringen, um die Entscheidung umzukehren, sollte der Plan vorangetrieben werden. Zudem drohte Graham der Türkei mit Sanktionen, sollte sie "einen Fuß nach Syrien setzen". "Ich hoffe, ich mache klar, wie kurzsichtig und verantwortungslos diese Entscheidung aus meiner Sicht ist", sagte Graham.

Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, warnte am Montag vor der Gefahr eines "signifikanten Konflikts" zwischen der Türkei und den Kurdenmilizen in dem Fall.

Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, warf Trump vor, die kurdischen Verbündeten der USA zu "verraten". McConnell und Pelosi sind in politischen Fragen normalerweise selten einer Meinung.

Widersprüchliche Signale

Das Weiße Haus hatte am Sonntagabend (Ortszeit) angekündigt, sich einer türkischen Offensive in Nordsyrien nicht in den Weg zu stellen. Trump twitterte dann, es sei an der Zeit, aus diesen "endlosen lächerlichen Kriegen" herauszukommen und "unsere Soldaten nach Hause zu bringen". Im Jänner hatte Trump der Türkei mit wirtschaftlicher Vernichtung gedroht, sollten sie die Kurden in Syrien angreifen. Im August vergangenen Jahres hatte Trump mit Sanktionen die Türkische Lira auf Talfahrt geschickt. Dabei ging es allerdings um einen in der Türkei gefangen gehaltenen US-Pastor, nicht um die Kurden in Syrien.

Die Türkei will bisher mit den USA verbündete Kurdenmilizen aus der Grenzregion vertreiben und dort syrische Flüchtlinge ansiedeln. Die von Kurden dominierten Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDF) bestätigten, dass der Abzug von US-Truppen aus der Grenzregion begonnen habe. Die SDF waren Verbündete der USA im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien.

In seinen Tweets am Montag forderte Trump die Türkei und die Europäer dazu auf, über die gefangen genommenen IS-Kämpfer und deren Familien zu wachen. "Die Vereinigten Staaten haben mehr gemacht, als jemals hätte erwartet werden können." Es sei jetzt an der Zeit für andere in der Region, ihr eigenes Territorium zu beschützen.

(APA/Ag./Red.)