Mein Dienstag

Besser denken mit dem Hoff

Es dürfte an der breiteren Allgemeinheit vorbeigegangen sein, doch vor wenigen Tagen jährte sich die (amerikanische) Erstausstrahlung der Fernsehserie „Baywatch“ zum dreißigsten Mal.

Dem Blick in Wikipedia entnehme ich, dass das „Lexikon des internationalen Films“ wenig Gutes über dieses Bademeisterstück zu befinden hat: „ein seichtes Potpourri ohne Überraschungen, das in Form und Inhalt gleichermaßen stereotyp dahinplätschert“, steht da zu lesen, worauf ich antworten möchte: Ja, und? Gottlob hat sich keiner der Drehbuchautoren von „Baywatch“ dem Genialitätswahn ausgesetzt, er müsse vor der Szenerie eines kalifornischen Sandstrands Kieślowskis „Dekalog“ in roten Badeanzügen neu fassen, oder die Orestie oder ein mesopotamisches Versepos. Es ist eine Unerfreulichkeit unserer Zeit, dass anspruchslose Formen der Unterhaltung von den Hohepriestern dessen, was Kunst sei, entweder verachtet oder im Wege des Regietheaters zu Edelkitsch erhoben wird.

Dabei wäre es dem pfleglichen Auskommen der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten viel zuträglicher, Unterhaltungsformen ohne tieferen pädagogischen oder höheren ästhetischen Ehrgeiz einfach als das hinzunehmen, was sie sind: ein zerstreuender Blödsinn zum Auslüften des Hirns. Ein Großmeister in dieser Disziplin ist Oberbademeister Mitch Buchannon, Pardon, David Hasselhoff, der nun wieder durch deutsche und österreichische Lande tourt. Er sei hier und heute gelobt, denn nur wenige andere Unterhaltungsstars schaffen es, trotz diverser privater Abstürze (wer hat das ominöse Video des sturzbesoffen Hamburger mampfenden Hasselhoff nicht gesehen?) noch im siebten Lebensjahrzehnt sympathische Zuversicht auszustrahlen – und eine schalkhafte Denkweise. „Meine liebste Tarnung ist eine David-Hasselhoff-Maske“, sagte der „Hoff“ der Münchner „TZ“. „Wenn ich die aufhabe, stört mich niemand. Dann denken alle nur, ich bin ein Idiot, der eine David-Hasselhoff-Maske aufhat.“

Lassen Sie sich das einmal durch den Kopf gehen.

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