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Ist das Volkstheater zu retten?

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Die Lage des Volkstheaters ist laut Stadtrechnungshofs "prekär".APA/HERBERT NEUBAUER

Der Stadtrechnungshof zeichnet ein dramatisches Bild der Lage. Der Zuschuss pro Besucher liegt bei 91 Euro. An Mitarbeiter wurden Prämien ohne Leistungsnachweis bezahlt.

Wien. Die Eigenmittelquote macht nur knapp über acht Prozent aus. Die Auslastung beträgt lediglich rund 56 Prozent. Der Zuschuss pro Besucher macht rund 91 Euro aus und hat sich in zehn Jahren fast verdoppelt. Gleichzeitig wurden Prämien an Mitarbeiter ausbezahlt, ohne entsprechende Nachweise über erbrachte Leistungen zu verlangen. Wenig verwunderlich, denn: Es existiert keine interne Revision.
Die am Dienstag veröffentlichte Bilanz der Prüfer des Wiener Stadtrechnungshofs über das Volkstheater fällt mehr als ernüchternd aus. In einem umfangreichen Bericht wird eine seiner Ansicht nach „prekäre Lage“ dargelegt. Gefordert wird dringend ein Konzept zur Rettung der Bühne.

Auch der Anteil der Freikarten – rund acht Prozent – wurde als zu hoch eingestuft. Kritisiert wurde vom Stadtrechnungshof auch die Anzahl der Überstunden, die Mitarbeitern ausbezahlt wurden. Diese fielen fast ausschließlich im Bereich Technik an. Hier wurde eine dringende Evaluierung empfohlen.

Verkehrsstrafen bezahlt

Dass vom Unternehmen auch Verkehrsstrafen zum Beispiel wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen bezahlt wurden, hielt der Rechnungshof ebenfalls nicht für angebracht. Auch der vom Rechnungshof geortete Anstieg der Kosten für Tantiemen wurde kritisch hinterfragt. Der Stadt-RH erinnerte daran, dass schon 2003 dem benachbarten Theater in der Josefstadt im Sanierungskonzept empfohlen worden sei, vorzugsweise tantiemenfreie Stücke auszuwählen. Dem Volkstheater wurde ebenfalls eine diesbezüglich „bewusste Auswahl“ an Aufführungen nahegelegt.

Bemängelt wurde auch die Ablauforganisation. Eine systematische Dokumentation der wichtigsten Betriebsabläufe fehle. Wörtlich heißt es in dem Bericht: „Im Wesentlichen leitete sich das Handeln der Mitarbeitenden aus der Verfolgung des Gesellschaftszweckes, aus einzelnen Dienstanweisungen sowie den gewohnten Abläufen ab.“

Dringender Handlungsbedarf

Der Rechnungshof konstatierte jedenfalls einen „dringenden Reformbedarf“. Um darzulegen, wie die Situation verbessert werden könnte, zogen die Prüfer das Josefstadt-Sanierungskonzept aus dem Jahr 2000 zurate.

Darin sind unter anderem kurzfristige finanzielle Beiträge der Mitarbeiter, preiswertere Inszenierungen, flexiblerer Personaleinsatz, eine Reform des Zulagensystems, aber auch eine „ansteigende Subventionslinie“ angeführt – also (noch) mehr Geld der Stadt Wien, um die Personalkostensteigerungen abzudecken.

Dies alles mündet in der Forderung, auch für das Volkstheater ein Sanierungskonzept zu erarbeiten. Die Gesellschaft stellte ein solches in einer im Bericht erhaltenen Stellungnahme tatsächlich in Aussicht: „Im Rahmen der Dreijahresplanung für den Zeitraum nach der Sanierung des Volkstheatergebäudes ist vorgesehen, alle Bereiche auf Einsparungs- und Effizienzpotenziale zu prüfen. In Summe soll dadurch eine nachhaltig stabile wirtschaftliche Situation herbeigeführt werden.“
Die Gebarungsprüfung der Volkstheater-Gesellschaft hatte den Umgang mit Subventionen der vergangenen Jahre zum Gegenstand. Die bauliche Sanierung des Theaters war nicht Teil der Untersuchung. Die Gesellschaft erhielt für die Geschäftsjahre 2015/16, 2016/17 und 2017/18 Subventionen der Stadt Wien für das Haupthaus und das Volkstheater in den Bezirken in der Höhe von insgesamt 21,9 Mio. Euro. (red./APA).