Lebensmittelhandel

Spar-Chef wehrt sich gegen Kritik an verschwenderischer Lieferkette

SPAR - KARTELLVERFAHREN: DREXEL
Spar-Vorstand Gerhard DrexelHERBERT NEUBAUER / APA / picture

Sein Unternehmen bezeichnet Gerhard Drexel als „Anwalt der Konsumenten“. Die Eigenproduktion will er ausbauen.

Spar-Vorstand Gerhard Drexel bezeichnete das Rollenverständnis seines Konzerns als "soziale Verantwortung gegenüber den Anforderungen der Gesellschaft". Sein Unternehmen bezeichnete der Spar-Chef im einem Journalistengespräch als "Anwalt der Konsumenten und Korrektiv bei besorgniserregenden Entwicklungen."

Spar möchte weiterhin auf hohe Qualitätsstandards bei Eigenmarken setzen. Denn Maßnahmen wären hier deutlich effektiver zu setzen als bei zuliefernden Markenherstellern: "Bei den Markenartikel kann man nur anregen, bei Eigenmarken per Brief anordnen", so Drexel. Etwa 5.000 Eigenmarkenartikel stehen in den Regalen der Spar-Märkte, der Umsatz der Eigenmarken lag im Vorjahr bei rund 41 Prozent. Damit liegt der Konzern deutlich über dem Branchenschnitt von 20 Prozent. Auf eine Grenze wollte sich der Konzernchef nicht festlegen: "Je besser wir sind, desto höher steigt der Umsatz."

Das Unternehmen mit Sitz in Salzburg möchte weiterhin auf hohe Qualitätskriterien bei heimischen Herstellern setzen, auch wenn er zugibt, bei manchen Betrieben auf Widerstand zu stoßen: "Wir lieben die kleinstrukturierten Landwirtschaften aber es gibt auch größere Betriebe, die nicht auf ihr Glyphosat verzichten wollen. Das kann nicht die Zukunft sein. Alle unsere Eigenmarken werden glyphosatfrei hergestellt."

Kritik an Mercosur

Deutliche Kritik übte Drexel am kürzlich stillgelegten Freihandelsabkommen Mercosur und unterstellte der Politik in Umwelt-und Gesundheitsfragen "nur Symbolpolitik" zu betreiben: "Mercosur ist ein Angriff auf das Weltklima. Wir müssen aufpassen, dass eine entfesselte Ökonomie zu keinem ökologischen Desaster führt."

Er wehrte sich zudem gegen die Kritik einer verschwenderischen Lieferkette im Handel: "42 Prozent der Lebensmittelabfälle werden im Privathaushalt weggeworfen. Nur fünf Prozent der Lebensmittelabfälle kommen vom Handel. Wir und unsere Mitbewerber haben für jede Verkaufsstelle eine zugewiesene Sozialeinrichtung, um noch genießbare Produkte abzuholen." Wesentliche Trends in der Bioproduktion gingen laut Drexel stets vom Handel und nicht der Lebensmittelindustrie aus.

Spar hat sich das unternehmerische Ziel gesetzt, die Eigenproduktion gezielt zu forcieren. Die damit verbundenen Herausforderungen bezeichnete der Konzernchef letztlich als "wundeschöne Aufgabe, viel schöner als Coca Cola einzukaufen und ins Regal zu stellen."

(APA)