Ein gepanzerter türkischer Aufklärungswagen/Truppentransporter vom Typ „Kirpi“ (Igel) auf Patrouillenfahrt unweit der syrischen Grenze (Archivbild vom September).
Reportage von der syrischen Grenze

Wenn der Krieg kommt

Eine Stadt an der Grenze zum kurdisch beherrschten Nordsyrien erlebte die Vorbereitungen der Armee zum Angriff. Man will eine 100 Kilometer lange, rund 30 km tiefe „Sicherheitszone“ als Schutz vor Terroristen schaffen.

Spätsommerliche Abendsonne liegt über den Baumwollfeldern um Akçakale, einer türkischen Kleinstadt an der Grenze zu Nordwestsyrien. Bäuerinnen in bunten Kopftüchern arbeiten gebückt in den Feldern und pflücken weiße Büschel von den Stauden; halb nackte Kleinkinder spielen an der Schotterstraße, die an der Grenze entlang verläuft.

Ruhe und Frieden liegen über dem Land – doch enden so wie der Schotterweg jäh an frisch aufgewühlten Erdhügeln mitten in den Feldern. Ein Kanonenrohr ragt aus dem Erdreich hervor, ein Wachposten hebt den Arm. Die Bauern werden nicht mehr viel Zeit haben, ihre Ernte einzubringen: Hier sammelt sich die türkische Armee seit geraumer Zeit für einen geplanten Einmarsch nach Syrien, in dessen kurdisch dominierte Region im Nordwesten.

„Aufnahmen sind nicht erlaubt, sagt mein Kommandant“, erklärt der Soldat durchs Autofenster; die Straße sei gesperrt. Erst seit einigen Tagen ist diese Einheit hier am Werk, aber ihre Vorbereitungen sind schon sehr weit fortgeschritten. Eine Haubitze und mehrere Schützenpanzer sind eingegraben, ein halbes Dutzend Mannschaftszelte aufgeschlagen; die Erde ist auf etwa der Fläche eines Fußballfelds aufgewühlt und zu Hügeln aufgeworfen, in Tarnfarben gestrichene Bagger stehen bereit für weitere Arbeiten. Ein Spürhund begleitet einen der Soldaten – das Grenzgebiet ist noch von früher vermint. Und rings um diese Kriegsvorbereitungen geht die Baumwollernte weiter.