Literatur

Buchpreis: Vieles am Abgrund

Gstrein, Reyer, Gauss, Setz, Edelbauer – die Shortlist zum Österreichischen Buchpreis steht fest: Sie bringt Dunkles und Witziges.

Schon Robert Menasses Brüssel-Roman „Die Hauptstadt“ war vor zwei Jahren sowohl auf der Shortlist für den Deutschen als auch den Österreichischen Buchpreis (und bekam den Deutschen). Heuer ist es „Das flüssige Land“ der 29-jährigen Wienerin Raphaela Edelbauer, das in der engsten Auswahl für beide Preise ist. (Der Österreichische Buchpreis wird am 4. November vergeben.)

Edelbauers Roman erzählt von einer jungen Physikerin, die nach dem Tod ihrer Eltern in deren seltsamen Heimatort fährt, der auf keiner Karte verzeichnet ist, von einer Gräfin beherrscht und von einem unterirdischen Loch bedroht wird – das auch Spuren vergangener Verbrechen birgt.

In Norbert Gstreins neuem Roman „Als ich jung war“ treibt es den Protagonisten von der Heimat in den Tiroler Bergen in die Prärie von Wyoming, auch wegen eines dort geschehenen Frauenmordes. Die Frage nach der eigenen Schuld treibt ihn um, immer geht es um Frauen: Auch als anspruchsvoller Beitrag zur MeToo-Debatte lässt sich der Roman lesen, als Krimi, der zugleich keiner sein will – moralische Eindeutigkeit verweigert er. Die Jury lobt Gstrein als Meister des „zwielichtigen“ Erzählens und stilistischer sprachlicher Klarheit.

Von psychischen und familiären Abgründen erzählt in „Mutter brennt“ die 34-jährige Sophie Reyer. Es geht um das schwierige Leben einer Frau und ihrer zwei Kinder – wobei von Letzteren nicht sicher ist, ob sie überhaupt existieren. Wirklichkeit, Einbildung, Träume greifen ineinander – laut Jury „mit besonderer Musikalität“.

Auch ein Erzählband findet sich auf der Shortlist: „Der Trost runder Dinge“ des Grazers Clemens Setz. Auch hier gerät die sogenannte „Normalität“ unentwegt ins Kippen, die Jury rühmt hier den „genauen Blick auf die Lebensverhältnisse der Gegenwart, eine strahlend frische Sprachkraft und einen überaus klugen Witz“.

 

Durchdachtes zur Duschhaube

Der einzige nicht nur witzige, sondern auch heitere Beitrag kommt von Karl-Markus Gauß: In „Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer“ beschäftigt sich Gauß, sehr welthaltig, mit den Gegenständen in seinem Haus in Salzburg. „Was es zur Duschhaube zu sagen gibt, vermochte bisher niemand durchdachter und geistreicher als Gauß auszudrücken“, sagen die Juroren. Er beweise sich damit einmal mehr als „stilistische Instanz Österreichs“. (red.)