Breites Angebot

Die Geheimnisse des Förderwesens

Förderungen gibt es laut Experten genug. Wer sich darüber informieren und beraten lässt, ist im Vorteil. Neue Chancen ergeben sich insbesondere im Umweltsektor.

Man könnte meinen, das Geld liegt auf der Straße und kaum einer sieht es. „Viele Unternehmen gehen davon aus, dass sie für Förderungen nicht infrage kommen. Und selbst wenn, wollen sie sich die Bürokratie nicht antun. Dabei wird so manches Fördergeld liegengelassen“, sagt Karin Steppan, Förderexpertin der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien. Dabei wären Förderungen in gewissen Phasen der Entwicklung ein wesentlicher Faktor. Besonders Bundes- oder Landeshaftungen und Stille Beteiligungen werden zu echten Türöffnern – beispielsweise, wenn die unternehmerische Idee hervorragend, aber die Überleitung von Forschungsergebnissen in marktreife Produkte nicht sofort in messbarer Umsatzsteigerung abgebildet und aus dem Cashflow gestemmt werden können.

Beratung & Förderprojekt

Wie vielseitig die Förderlandschaft in Österreich ist, betonte Veronika Binder, Geschäftsführerin von Technoclone (Herstellung von Diagnostika und Arzneimitteln): „Im Grunde kann nahezu jedes Bedürfnis und Vorhaben abgedeckt werden. Die größte Herausforderung für Unternehmen ist es, sich die Zeit zu nehmen, das Vorhaben vorab auf den Punkt zu bringen und es auch auszuformulieren. Je konkreter und klarer das Projekt ist, desto eindeutiger wird, welche Förderung man benötigt.“ Den bürokratischen Aufwand bezeichnete Binder aus Erfahrung als überschaubar: „Man muss jedes Projekt ohnehin vorbereiten, sich über die Kosten einen Überblick verschaffen und auch die Machbarkeit genau prüfen. Wenn man sich vor Projektbeginn schon über die Abrechnungskriterien informiert, erspart man sich einiges  an unnötiger doppelter Arbeit.“

„Wer sich rechtzeitig gut informiert und vorbereitet, ist klar im Vorteil und wird oft positiv überrascht sein, was alles möglich ist“, bestätigt Steppan, die ihre Aufgabe darin sieht, Unternehmen  die vielfältigen Möglichkeiten aufzuzeigen, um danach gemeinsam eine passende Finanzierungsstruktur zu entwickeln. Informationen und Erstberatungen können bei Förderstellen, Steuer- und Unternehmensberatern, Wirtschaftskammern sowie Banken kostenlos eingeholt werden. Wesentlich ist laut Steppan, dass Investitionsförderungen noch vor Projektbeginn zumindest mit den wichtigsten Eckdaten beantragt werden. Die Projekte werden von den Experten der Förderstellen zeitnah geprüft, wenn nötig folgt ein Gesprächstermin zusammen mit der finanzierenden Bank. Es folgt ein Fördervertrag mit den Unternehmern, der die genauen Bedingungen für die geförderte Finanzierung, die Haftungsübernahme oder den Zuschuss regelt. Dazu gehört, dass die tatsächlichen Kosten des Vorhabens der Förderstelle nachgewiesen werden müssen. „Wir empfehlen unseren Kunden schon im Erstgespräch, diese Notwendigkeit zu bedenken und die Buchhaltung entsprechend einzurichten, damit die letzte Herausforderung am Ende des Vorhabens reibungslos bestanden wird“, rät Steppan.

Föderale Atouts

Worin der Sinn der föderalen Förderstruktur in Österreich liegt, erklärte Jürgen Schneider vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus: „Das Zusammenwirken zweier Gebietskörperschaftsebenen bringt natürlich administrativen Aufwand mit sich, hat jedoch den Vorteil, dass die bundesländerspezifischen Gegebenheiten und die jeweiligen politischen Schwerpunkte mit den Bundesinteressen gut vereint werden können.“ Sehr gute Erfahrungen habe man zum Beispiel in der Förderung zu „raus aus dem Öl“ oder im Bereich der Biomasse-Nahwärmesysteme gemacht, weiß der Leiter der Sektion IV - Klima:  „Durch eine enge Abstimmung bis hin zur expliziten Verknüpfung von Fördermitteln erzielen wir eine hohe Effizienz im Mitteleinsatz“. Bei „raus aus dem Öl“ sei zum Beispiel ein gültiger Energieausweis oder ein Protokoll einer absolvierten Energieberatung des jeweiligen Bundeslandes Fördervoraussetzung. Das wurde sehr gut angenommen, da die Energieberatungen vor Ort in den Bundeländern großes Know-How haben und über den klassischen Kesseltausch hinaus beraten.

Erfolg mit Ökostrom

Von den Erfahrungen mit der Ökostromförderung berichtete Mario Wohanka, Partner der WindLandKraft-Gruppe, die Wind-, Wasser- und Sonnenkraftwerke projektiert, errichtet und betreibt. „Die Förderung ist eine Erfolgsgeschichte und hat in Österreich zum heutigen Ausbaustand der Ökostromerzeugung geführt. Die Beantragung eines festen Einspeisetarifs ist relativ unkompliziert. Die Dokumentation beschränkt sich im Wesentlichen auf die Beibringung von Genehmigungen und Projektunterlagen.“ Höher werde der Aufwand für Investitionszuschüsse zu Revitalisierung oder Neubau. „Bei der Einreichung größerer Vorhaben sind zum Beispiel auch Planrechnungen vorzulegen. Nach Fertigstellung erfolgt eine detaillierte Prüfung der Investitionen samt Belegen. Der größte Aufwand liegt in der Erlangung aller Genehmigungen“, so Wohanka. Informationen zur Förderung gebe es ausreichend, etwa bei der Ökostromabwicklungsstelle (OeMAG), dem Klima- und Energiefonds und den Wirtschaftskammern. Auch die Landesregierungen der Bundesländer bieten Beratung für Unternehmen in Energie- und Nachhaltigkeitsfragen an.

Grüne Zukunft?

Nicht wirklich glücklich gab sich Wohanka ob der in Aussicht stehenden Änderungen im Förderwesen: „Das derzeitige System wird abgelöst. Derzeit ist eine Tendenz in Richtung Ausschreibungssystem erkennbar. Ich sehe das, nicht zuletzt aufgrund von Erfahrungen in anderen Mitgliedsstaaten, eher kritisch.“ Um ökologisch sinnvolle Erzeugungstechnologien noch näher zur Marktreife zu führen, wünscht sich der Unternehmer, dass marktverzerrende Subventionen von Kohle- und Atomkraft beendet und Umweltfolgekosten verursachungsgerecht berücksichtigt werden.

Optimistischer blickt man diesbezüglich im Ministerium in die nahe Zukunft. „In der Förderlandschaft auf EU-Ebene zeichnen sich im Klima- und Energiebereich spannende neue Fördertöpfe wie zum Beispiel der EU–Innovationsfonds ab. Wir hoffen, dass dieser wichtige Impulse bei der Finanzierung von großen, sektorübergreifenden Demonstrationsprojekten zwischen Forschung und Markt setzen wird“, sagte Schneider, der zugleich weitere konkrete Schritte zur Entbürokratisierung in der Förderung fordert, um Hürden bei der Umsetzung von konkreten Projektideen abzubauen. Österreich bietet sich hier als Partner und Vorreiter an. So wurde am 4. Oktober ein EU-weit einzigartiges Pilotprojekt zur vereinfachten Abwicklung von Klimaschutzprojekten im Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in der Umweltförderung im Inland gestartet.

Einen allgemeinen Wunsch an die Zukunft im Förderwesen äußerte zuletzt Veronica Binder: „Mehr Förderungen für Unternehmen, die die Start-up-Phase hinter sich haben und mit ihrem Produkt auf den Markt kommen wollen. Solchen Unternehmen muss unter die Arme gegriffen werden, damit die Vielseitigkeit an Wirtschaftsunternehmen im Land bestehen bleibt.“