Einwurf

Für eine barrierefreie Arbeitsmarktpolitik

(c) Peter Kufner

Für Menschen mit Behinderung ist es nach wie vor viel schwerer, einen Job zu finden. Nur eine mutige Politik kann das ändern.

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Wir haben ein Problem mit der Arbeitsmarktpolitik. Für Menschen mit Behinderung ist es nach wie vor viel schwerer, einen Job zu finden. Die Zahlen zeigen es dramatisch: 24 Prozent aller Arbeitssuchenden gehören zur Gruppe der Menschen mit Begünstigtenstatus oder gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen. Obwohl die Konjunktur in den letzten Jahren für eine Erholung des Arbeitsmarkts gesorgt hat, profitieren Menschen mit Behinderung nicht. Volkswirtschaftlich entstehen dadurch enorme Kosten. Von den Einzelschicksalen ganz abgesehen. Wir haben ein System, das offensichtlich nicht funktioniert, und trotzdem wird über Jahrzehnte daran festgehalten.

Diskutiert wird gern über die Ausgleichstaxe. Pro 25 Beschäftigte müssen Unternehmen derzeit eine Person mit Begünstigtenstatus einstellen, ansonsten bezahlen sie je nach Unternehmensgröße bis zu 391 Euro pro Monat und pro nicht besetzter Stelle. Das System ist einfach, effektiv ist es nicht.

Zudem suggeriert es, dass Mitarbeiter mit Behinderung es nur dann wert seien, beschäftigt zu werden, wenn damit Ausgleichszahlungen vermieden werden. So verschwindet der Blick auf die Fähigkeiten und Potenziale von Mitarbeitern mit Behinderung!

 

Neue Wege sind gefragt

Aus unserer langjährigen Erfahrung in der Beratung österreichischer Unternehmen wissen wir, dass diese offen für Inklusionsmaßnahmen sind. Sie wissen nur nicht, wie es geht. Damit entgeht ihnen großes wirtschaftliches Potenzial: steigende Loyalität, gestärkte Motivation der Belegschaft, höhere Qualität und Produktivität: Das sind nur einige der Rückmeldungen von Unternehmen, die bereits aktiv Menschen mit Behinderung beschäftigen.

Neue Wege sind gefragt, und es gibt zahlreiche Konzepte, die man der erfolglosen Politik der letzten Jahre entgegenstellen könnte.

Statt Taxen, die als Strafen begriffen werden, wäre ein Bonus-malus-System interessant. Unabhängig von der Erfüllung starrer Quoten sollte ein solches Bonus-malus-System jene Betriebe fördern, die aktiv Menschen mit Behinderung einstellen. Noch wichtiger wäre es, schon früher anzusetzen, damit Unternehmen aus ihrer Überforderung in aktives Handeln kommen. Die Einführung einer spezifischen Unternehmensförderung würde bewusstseinsbildende Maßnahmen und die Umsetzung von Disability-Strategien ermöglichen. So kann man Unternehmen klarmachen, welches Potenzial in der Beschäftigung von Mitarbeitern mit Behinderung liegt. Internationale Vorbilder gibt es bereits. Was es hierzulande braucht, ist mutige Politik. Wann, wenn nicht jetzt?

Gregor Demblin (*1977) zog sich bei einem Badeunfall 1995 eine Querschnittlähmung zu. Er studierte Philosophie und ist Gründer der Unternehmensberatung MyAbility.