Managementwahnsinn - Wahnsinnsmanagement

Von der Kuckucksuhr zum Storytelling

Kolumne "Hirt on Management": Folge 109. Was wir aus der Erfolgsstory der Schweizer Uhrenindustrie lernen können.

In unserer Rubrik „Hirt on Management“ schreibt Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen über herausfordernde Situationen und kritische Entscheidungen für Manager.

Die Schweizer Uhrenindustrie entstand im 17. Jahrhundert, nachdem Calvin in Genf das Tragen von Schmuck verboten hatte und die Goldschmiede und Juweliere auf die Produktion von Uhren auswichen.

In den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts stürzte die Schweizer Uhrenindustrie durch das Aufkommen der quarzbetriebenen, elektrischen Uhren und durch die Konkurrenz aus Japan, in eine tiefe Krise.

Nach einer starken Schrumpfung ist die Schweizer Uhrenindustrie in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts, wie der Phoenix aus der Asche, wieder auferstanden. Vor allem durch die visionäre Führung und das konsequente Management von außergewöhnlichen Persönlichkeiten, wie Nicolas Hayek und Jean-Claude Biver.

Nicolas Hayek hat die Swatch, die Uhr als preisgünstiger und stylischer Modeartikel, fest in der Konsumwelt verankert.

Jean-Claude Biver (z.B. Blancpain, Hublot, TAG Heuer) hat die Uhr als Schmuckstück, kulturelles Erbe und ewiges Kunstwerk fest in der mythischen Welt unserer Aspirationen und unseres Strebens nach dem Guten, Schönen und Wahren etabliert.

Für den Erfolg dieser beiden sehr unterschiedlichen Unternehmer waren drei Erkenntnisse wesentlich:

Erstens: Uhren sind nicht dazu da, die Zeit anzuzeigen

Bis in die siebziger Jahre hat sich die Schweizer Uhrenindustrie vor allem durch ihr Streben nach immer größerer mechanischer Präzision der Uhren, als primäres Qualitätsmerkmal, definiert.

Dieses Ziel war durch die Erfindung der Quartzuhr obsolet.
Aber es ging sogar noch weiter. Heute benötigt niemand eine Uhr, um zu wissen, wie spät es ist. Jedes Handy enthält eine perfekt präzise Uhr und auch im öffentlichen Raum sind Uhren allgegenwärtig.

Die Uhr als Zeitanzeiger stellte sich somit als Sackgasse heraus, die in den wirtschaftlichen Ruin führt.

Die Uhr als modisches Accessoire oder die Uhr als kulturelles Erbe und Ausblick auf die Ewigkeit, das ist eine ganz andere Geschichte.

Zweitens: Uhren sind für die meisten Männer das einzige Schmuckstück, das sie tragen

Der Boom der Luxusuhren ist vor allem ein Thema für männliche Käufer. Mit einer oder mehreren Uhren kann „Mann“ im täglichen Leben einfach und effizient Status, Wohlstand, Erfolg und kulturelle Sophistizierung transportieren.

Und das auf eine Art und Weise, die man immer bei sich hat und praktisch überall hin mitnehmen kann.

Drittens: Storytelling

Ob Hayek oder Biver, beide haben verstanden, dass Menschen sinn-orientierte Geschöpfe sind, die einen Kontext und eine Story benötigen, um zu existieren und zu handeln, und beide waren bzw. sind meisterlich darin diesem Kontext und diese Story zu schaffen.

„Die mechanische Uhr ist Kultur, Tradition und Kunst und sie ist ewig. In 100 Jahren wird diese Uhr noch laufen.“ Jean-Claude Biver.

 

Das Wichtigste in Kürze

In unserer, oft geistlosen High-Tech-Zeit geht es umso mehr darum, den richtigen inhaltlichen Kontext und die richtige Story herzustellen und konsequent zu erzählen, um Menschen zu erreichen.

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Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 10. Oktober 2019 zur Frage: Von den alten Griechen lernen. Warum die Kardinaltugenden heute genauso relevant wie vor 4000 Jahren sind.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

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