Menschenrechte

Aba Lewit: „Die Toten können sich nicht mehr wehren“ 

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Aba Lewit strengte den Prozess in Straßburg an. (Archivbild)(c) imago/CHROMORANGE (imago stock&people)

Nach dem EGMR-Urteil gegen die Republik wegen unzureichenden Persönlichkeitsschutzes nimmt der Holocaust-Überlebende Stellung. Er will die ihm zugesprochene Schadenersatzsumme an Wiener Schulen spenden.

Der Wiener Aba Lewit ist mit der Verurteilung der Republik Österreich durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) wegen nicht ausreichenden Schutzes der Persönlichkeitsrechte von Holocaust-Überlebenden am Donnerstag zufrieden. Das teilte der Holocaust-Überlebende in einem schriftlichen Statement über seine Anwältin Maria Windhager am Freitag mit. Die ihm zugesprochene Schadenersatzsumme wolle er an vier jüdische Schulen spenden.

Lewit hat sich zuvor mit neun anderen Überlebenden vor dem EGMR darüber beschwert, dass die österreichischen Gerichte es unterlassen hätten, seinen Ruf gegen diffamierende Behauptungen in der rechtsgerichteten Zeitschrift "Aula" zu schützen. Im Sommer 2015 war dort ein Artikel veröffentlicht worden, in dem Befreite aus dem NS-Massenvernichtungslager Mauthausen als "Massenmörder", "Kriminelle" und "Landplage" bezeichnet wurden. Das strafrechtliche Ermittlungsverfahren gegen den Autor des Artikels wurde jedoch in Folge eingestellt. Im Februar 2016 berichtete der Autor in der "Aula" über das eingestellte Strafverfahren und wiederholte die Aussagen nach Angaben des Straßburger Gerichts wörtlich. Daraufhin brachte Lewit mit den anderen Überlebenden einen Antrag unter dem Mediengesetz betreffend diesen Artikel gegen die Zeitschrift sowie den Autor beim EGMR ein.

„Wir alle wurden verleumdet“ 

Das Verfahren habe Lewit "im Namen der Zigtausenden Menschen, die heute nicht mehr am Leben sind" angestrengt. "Wir alle wurden als Verbrecher verleumdet. Die Toten können sich aber nicht mehr wehren", so Lewit in der Stellungnahme. Er selbst ist einer der letzten Überlebenden des Holocaust.

Den durch den EGMR zugesprochenen Schadenersatz wolle Lewit auf insgesamt 6000 Euro aufstocken, um je 1500 Euro an vier jüdische Schulen in Wien zu spenden: Die Zwi-Perez-Chajes-Schule, die Lauder-Chabad-Schule und die Talmud-Thora-Schulen der Machsike Hadas und von Agudas Israel. (APA)