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Gastbeitrag

Fairness nach langem Kampf

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Endlich sollen Frauen die Jahre der Kindererziehung automatisch zur Pension angerechnet werden. Das hat lang gedauert.

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Gut Ding braucht Weile. Daran gewöhnt man sich in der Politik rasch. Von der ersten Idee bis zur gesetzlichen Umsetzung ziehen etliche Jahre ins Land – in meinem Fall 30. Seit den 1990er-Jahren kämpfe ich für ein automatisches Pensionssplitting für Frauen und stieß zu Beginn auf männliche Ignoranz und später auf bloße Absichtserklärungen.

Beim Pensionssplitting geht es darum, dass vor allem Frauen, die aufgrund von Kinderbetreuungszeiten eine berufliche Auszeit nehmen, bei Berechnung der Pension eine Art Ausgleich erhalten. Bis zu 50 Prozent der Pensionsbeiträge des Partners können so jenem Elternteil zugeschrieben werden, der die Kindererziehung angerechnet erhält. Damit soll verhindert werden, dass Frauen, die zu Hause bleiben und dadurch Einkommensverluste erleiden, bei der Pension auch noch benachteiligt werden. Der Gesetzgeber hat damit an die Möglichkeit eines gewissen Ausgleichs gedacht. Das Problem: Das Pensionssplitting ist freiwillig, wenig bekannt und wird kaum genützt. Die Zahlen sprechen für sich: 2018 haben nur 412 Menschen von insgesamt 3,3 Mio. der PVA-Versicherten davon Gebrauch gemacht.

Die Zahlen zeigen deutlich, dass das 2005 eingeführte Pensionssplitting nicht funktioniert. Beim Handlungsbedarf stieß ich dennoch auf taube Ohren.

Es mag zwar sein, dass wir Frauen bereits viel erkämpft haben. Wir diskutieren heute nicht mehr darüber, ob Frauen berufstätig sein sollen. Aber diese Sicherheit ist trügerisch. Das Risiko der Altersarmut aufgrund fehlender Erwerbsjahre ist vielen Frauen nicht bewusst. Das ist umso erstaunlicher, als im urbanen Raum jede zweite Ehe geschieden wird. Es steht und fällt nach wie vor mit der Vereinbarkeit. Ich bin in die Politik gegangen, eben weil es für Frauen so schwer war, Beruf und Familie zu vereinen. Vollzeit zu arbeiten und die Familie zu versorgen kam einem Hürdenlauf mit gefesselten Beinen gleich. Viele von uns schafften es nicht und blieben zu Hause.

Frauen für den Verdienstausfall zu entschädigen schien mir nur fair und ein Hebel, um Altersarmut zu verhindern. Wie katastrophal sich ein geringes Lebenseinkommen durch gebrochene Erwerbskarrieren und Teilzeitarbeit auf Frauen im Alter auswirkt, erlebte ich auch als Volksanwältin. Immer wieder waren Frauen nach einer Scheidung fassungslos, als ihnen die finanzielle Lage bewusst wurde.

 

Fallstrick für Frauen: Alltag

Das wirkungsvollste Mittel gegen Altersarmut ist daher finanzielle Eigenständigkeit durch Erwerbseinkommen. 47,7 Prozent aller erwerbstätigen Frauen zwischen 25 und 60 Jahren sind aber teilzeitbeschäftigt. Je später der berufliche Wiedereinstieg erfolgt, desto höher die Einkommenseinbußen für die Frauen und desto geringer die soziale Sicherheit im Alter.

Die fehlende Absicherung im Alter beschäftigt mich auch als Präsidentin des Seniorenbunds, denn Altersarmut ist weiblich. Das Armutsrisiko für allein lebende Seniorinnen liegt bei 26 Prozent und ist damit um elf Prozent höher als jenes der Männer. Das dürfen wir nicht hinnehmen! Die Pensionslücke zwischen Männern und Frauen beträgt 42 Prozent. Jede zusätzliche Gutschrift auf das Pensionskonto verbessert die Situation der Frauen. Umso wichtiger ist, dass wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und junge Frauen entsprechend sensibilisieren. Dass die ÖVP jetzt in ihrem Wahlprogramm für ein automatisches Pensionssplitting eintritt, freut mich für meine 20-jährige Enkelin, denn sie wird davon profitieren. Dafür hat sich das jahrelange zähe Ringen gelohnt!

LAbg. Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbunds. Langjährige Volksanwältin und zehn Jahre Abg. zum Nationalrat (ÖVP).

E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2019)