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Fremdöstrogen aus Müsli geht durch Plazenta

(c) imago images / Panthermedia (´b.Arte´)
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Frühe Exposition könnte Erkrankungen begünstigen.

Während der Entwicklung im Mutterleib reagiert das ungeborene Kind besonders empfindlich auf schädliche Umwelteinflüsse. Sämtliches Blut, das es über die Nabelschnur mit Sauerstoff und Nahrung versorgt, muss daher erst den Mutterkuchen (lat.: Plazenta) passieren, ein schwammartiges Filterorgan, mit dem die meisten Krankheitserreger und Giftstoffe ausgesiebt werden.

Doch nicht alles bleibt in der Plazenta hängen: Eine dem weiblichen Sexualhormon Östrogen ähnelnde Substanz, das sogenannte Zearalenon, kann diese Schranke umgehen, wie Forscher aus Wien und der Schweiz in einer Studie (Environmental Health Perspectives, 9. 10.) zeigen. Dabei kam ein neues analytisches Verfahren zum Einsatz, mit dem über 50 verschiedene Fremdöstrogene gemessen werden können.

 

70 Mal höhere Aktivität

Die in Brot, Müsli und anderen Getreideprodukten vorkommende Substanz kann wie viele andere Umweltöstrogene den körpereigenen Hormonhaushalt beeinflussen. Eine frühe Exposition wird mit verschiedenen Erkrankungen wie Brust- oder Gebärmutterhalskrebs, aber auch verfrühter Pubertät oder Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht.

Für das Zearalenon konnten die Wissenschaftler darüber hinaus zeigen, dass ein Enzym in der Plazenta dessen Östrogenaktivität um das 70-Fache steigert. „Diese Erkenntnis sollte in künftigen Risikobewertungen berücksichtigt werden“, so Studienautor Benedikt Warth von der Uni Wien – auch wenn die bisherigen EU-Grenzwerte bereits die weltweit niedrigsten seien. Bis weitere Forschungsergebnisse vorliegen, raten die Forscherinnen und Forscher zu einer abwechslungsreichen Ernährung, um die Belastung mit dem Fremdöstrogen zu reduzieren.  (däu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2019)