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SAP-Chef Bill McDermott tritt zurück

Bill McDermott hat seit 2010 den Chefposten beim Softwareriesen SAP inne.
Bill McDermott hat seit 2010 den Chefposten beim Softwareriesen SAP inne.(c) REUTERS (Ralph Orlowski)
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Beim deutschen Software-Konzern SAP kommt es zu einem überraschenden Chefwechsel. Die Aktie des Unternehmens legte nach guten Quartalszahlen deutlich zu.

Walldorf. Der Schritt, der anlässlich der Präsentation der SAP-Drittquartalszahlen bekannt gegeben wurde, kam für viele überraschend: Bill McDermott, der langjährige Chef des deutschen Softwareriesen, gibt seinen Posten vorzeitig an eine jüngere Doppelspitze ab: Mit sofortiger Wirkung übernehmen die Amerikanerin Jennifer Morgan (48) und der Deutsche Christian Klein (39) die Leitung des größten IT-Konzerns Europas. SAP ist damit der erste DAX-Konzern mit einer Frau an der Spitze.

 

Florierendes Cloud-Geschäft

An der Börse kam die Entscheidung gut an. SAP-Aktien legten am Freitag um zeitweise mehr als acht Prozent zu. Das war jedoch weniger dem Rücktritt von McDermott geschuldet als vielmehr der Tatsache, dass das Unternehmen unerwartet gute Zahlen für das dritte Quartal präsentiert hatte. Vor allem beim Ausbau seiner Cloud-Dienste konnte SAP Erfolge verzeichnen. Insgesamt steigerte SAP seinen Umsatz im dritten Quartal um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 6,79 Mrd. Euro. Der Nettogewinn stieg um 30 Prozent auf 1,26 Mrd. Euro.

Für Insider kam der Rücktritt von McDermott nicht ganz so überraschend. Der 58-Jährige hatte Aufsichtsratschef Hasso Plattner schon vor mehr als einem Jahr darüber informiert, nach dem Ende seines bis 2021 laufenden Vertrags gehen zu wollen, wie aus E-Mails des Managements an die Mitarbeiter hervorging, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen. Schon damals entschied man sich für Morgan und Klein und bereitete sie durch neue Aufgaben im Vorstand auf den Tag X vor.

So übernahm Morgan im April die Leitung des Cloud-Geschäfts. Statt zu warten, habe er mit Plattner nun entschieden, den Plan „aus einer Position der außergewöhnlichen Stärke“ des Unternehmens umzusetzen, schrieb McDermott, der vor vier Jahren bei einem Unfall ein Auge verloren hat.

Die Betriebswirtin Morgan ist seit 2004 bei SAP, sie arbeitete früher als Unternehmensberaterin. Klein, ebenfalls Betriebswirt, begann vor 20 Jahren als Student bei SAP. Er war zuletzt unter anderem für die Weiterentwicklung des neuen Kernprodukts S/4-Hana zuständig. Jetzt soll Morgans Expertise über Kundenpflege und Vertrieb in Kombination mit Kleins Technikverständnis das Unternehmen erfolgreich halten.

Aufsichtsratschef Plattner streute McDermott zum Abschied Rosen: „Ohne Bill stünde die SAP heute nicht dort, wo sie ist“, sagte er. McDermott sei die treibende Kraft beim Schwenk zur Zukunftstechnologie Cloud-Software gewesen, bei der Programme und Datenbanken mit flexiblen Abonnementverträgen über das Internet bezogen werden. McDermott, ein talentierter Verkäufer, trieb den Wandel mit etlichen, teils milliardenschweren Übernahmen voran.

An der Börse wuchsen nach der acht Mrd. Dollar (7,25 Mrd. Euro) teuren Übernahme des Kundenmanagementspezialisten Qualtrics zuletzt aber die Bedenken, SAP könne sich verzetteln. Erzrivale Oracle brüstete sich vor Kurzem damit, SAP mit seinem Cloud-Programmpaket viele Kunden abspenstig gemacht zu haben. Die SAP-Aktie liegt noch immer neun Prozent unter ihrem Rekordhoch von Anfang Juli; Analysten sehen im Schnitt aber noch 14 Prozent Anstiegspotenzial.

 

Investor Elliott macht Druck

Mit dem Hedgefonds Elliott hat der DAX-Konzern seit heuer einen Aktionär, der schon bei anderen deutschen Unternehmen wie etwa Thyssen Krupp den Vorstand mit seinen Renditeforderungen unter Druck gesetzt hat. McDermott erklärte zu seinem Rücktritt allerdings, er sei nicht von Elliott gedrängt worden.  (b. l./Reuters)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2019)