Landtagswahl

Vorarlberg: Das urbane Ländle

Die Burgruine Alt-Ems in Hohenems mit Blick auf das dicht besiedelte Vorarlberger Rheintal. 423 Menschen leben hier auf einem Quadratkilometer.
Die Burgruine Alt-Ems in Hohenems mit Blick auf das dicht besiedelte Vorarlberger Rheintal. 423 Menschen leben hier auf einem Quadratkilometer.(c) Dietmar Stiplovsek / picturedesk (Dietmar Stiplovsek)

Vorarlberg ist anders – jedenfalls anders, als man sich das gemeinhin vorstellt. Ein Besuch im schwarzen Kernland, das gegen Türkis protestierte und sich als guter Boden für Grüne und Neos erwies.

Saftig grüne Almwiesen mit alten Holzhütten im Sommer, tief verschneite Hänge mit Wedelspuren im Winter: Diese Bilder aus der Werbung schwirren einem auf der Fahrt nach Vorarlberg durch den Kopf. Der Blick aus dem Fenster des von Wien kommenden Nachtzugs hat damit aber nur wenig zu tun. Hinter der Lärmschutzwand reiht sich ein Haus an das nächste. Dicht an dicht. Riesige Fabrikshallen mit großen, bunten Firmenlogos an der Fassade tauchen auf. Man liest viele klingende Unternehmensnamen. Und das wird sich in den nächsten 33 Minuten, auf der Fahrt zwischen Feldkirch und Bregenz, auch nicht mehr grundlegend verändern.

Aus den verstreuten Dörfern und „Städtlen“ ist ein nahezu geschlossener Siedlungsraum geworden. Mehr als 260.000 Menschen leben hier im Rheintal. Die Städte Dornbirn, Feldkirch, Bregenz und Lustenau zählen allein jeweils mehr als 20.000 Einwohner. Das Rheintal ist damit nach Wien das am dichtesten besiedelte Gebiet Österreichs und zählt sogar zu den am dichtesten besiedelten Regionen Europas. 423 Menschen haben sich hier pro Quadratkilometer niedergelassen. Das sind 317 Menschen mehr als im österreichischen Durchschnitt.

Das Leben im Ländle ist dadurch urban und hip geworden. Die Bürger stellen ihr Fahrrad an den überraschend großen Fahrradstellplätzen ab, pendeln mit dem Zug in die Arbeit und treffen sich in Coworking Spaces. Hier ist man weltoffen. Man hat sich schon in Zeiten, in denen der Osten Österreichs noch auf den Eisernen Vorhang geblickt hat, mit den Nachbarn ausgetauscht. So mancher „Gsiberger“ radelt nach Deutschland zum Abendessen, pendelt nach Liechtenstein zum Arbeiten und liest Schweizer Zeitungen. Die urbane, weltbürgerliche Lebensweise wird sich auch morgen, Sonntag, in der Wahlkabine bemerkbar machen.