Iustitia
Analyse

Das Schweigen der Angeklagten

Immer öfter halten Strafverteidiger ihre Klienten dazu an, vor Gericht gar nichts zu sagen. Ein Trend, der sich für Angeklagte mitunter bezahlt macht – aber die Wahrheitsfindung erschwert.

„Und wo ist mein Gold?“ Es war ein spektakulärer Prozess – vor Kurzem in Wien. Eine Pensionistin, der 20 Kilogramm Gold gestohlen worden waren, hatte sich nach dem Verbleib ihres Schatzes erkundigt. Die Richterin hatte diese zentrale Frage aber gar nicht gestellt. Der Staatsanwalt auch nicht. Und wie verhielt sich der Angeklagte? Er schwieg. Auf Geheiß seines Anwalts. Das Phänomen des schweigenden Angeklagten ist der Justiz wohl bekannt. Doch mittlerweile ist das Schweigen zum Trend geworden.