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Entscheidung

Tochter kann Kontakt zu Vater ablehnen

Auch wenn das Gesetz dies erst für 14-Jährige vorsieht.

Wien. Unter gewissen Voraussetzungen dürfen auch Unmündige den Kontakt zu einem Elternteil ablehnen. Das betont der Oberste Gerichtshof (OGH), der damit gegen den Wunsch eines Vaters entscheidet, der seine Tochter treffen wollte.

Bereits die erste Instanz hatte entschieden, dass der Vater seine zwölfjährige Tochter nicht sehen dürfe, das Landesgericht Wiener Neustadt bestätigte dies. Das Kind lehnt den Kontakt ab. Es wurde festgestellt, dass die Tochter unbeeinflusst zu dieser Entscheidung gekommen sei. Auch wenn bei dieser Willensbildung neben dem bisherigen Verhalten des Vaters auch jenes der Mutter eine Rolle gespielt habe.

Nun steht im Gesetz aber nur, dass 14-Jährige den Kontakt zu Elternteilen ablehnen können. Doch hier kommt laut den Gerichten hinzu, dass ein zwangsweiser Kontakt zum Vater das Kindeswohl gefährden und das familiäre Gefüge destabilisieren würde. Unter diesen Umständen sei dem Wunsch des nun fast 13-jährigen Kindes nachzukommen, entschied der OGH (5 Ob 94/19p). Und zwar unabhängig davon, ob sich die Erziehungsfähigkeiten des Vaters gebessert haben. (aich)

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2019)