Musikverein

Der berühmteste Konzertsaal der Welt

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Die Gesellschaft der Musikfreunde feiert den 150. Geburtstag ihres Gebäudes nächst dem Wiener Karlsplatz, Stätte für Novitäten und Bewahrung der großen Tradition.

Die Gesellschaft der Musikfreunde jubiliert. Sie feiert demnächst den 150. Geburtstag des Musikvereinsgebäudes. Das Konzertprogramm, das 1870 zur Eröffnung erklang, wird noch einmal zu hören sein: Unter Mariss Jansons' Leitung singen und spielen am Vormittag des Dreikönigstages die Wiener Philharmoniker, der Singverein, Anne-Sophie Mutter und Piotr Beczała.

Für treue Besucher ein Déjà-vu-Erlebnis. Schon zum letzten „runden“ Jubiläum gab es dieses Remake – mit Riccardo Muti am Dirigentenpult. Das ist nicht ganz untypisch für die Gesellschaft der Musikfreunde, die ihren Status als Traditionsbewahrerin auch mit den Geburtstagsgeschenken beweist, die sie sich selbst macht.

Freilich: Im Haus, im „goldenen Musikvereinssaal“, dem vermutlich berühmtesten Konzertsaal der Welt, hat man über all die Jahre auch stets Novitäten vorgestellt! Eine Tatsache, die man angesichts der vielen Beethoven-, Brahms-, Mahler- und Bruckner-Aufführungen leicht vergisst.

Selbstverständlich finden sich die großen Namen der Klassik und Romantik in den Jubiläumszyklen, die Musikvereinsintendant Thomas Angyan jüngst mit der Präsentation eines eigenen Prospekts nochmals ins Rampenlicht gerückt hat: Beethoven und Mahler führen die Statistik an – und die Crème de la Crème der internationalen Interpreten gibt sich die Klinke zum Großen Saal in die Hand.

 

Gewohnte Größe in Buchform

Das ist man gewöhnt. Das nimmt man mit der in Wien üblichen Nonchalance den schönsten Dingen gegenüber geradezu als Selbstverständlichkeit zur Kenntnis.

Dass hinter alledem ein Betrieb steckt, in dem mit Uhrwerkspräzision gearbeitet wird, dass der Weltruf, den die Gesellschaft genießt, auf einer konsequenten und durchdachten Pflege der reichen, auch stilistisch sehr weit ausgreifenden Tradition beruht, das lässt sich in einem Jubiläumsbuch nachlesen, das Joachim Reiber und Wolf-Dieter Grabner für den Styria-Verlag erarbeitet haben. Die beiden zeigen den Musikverein als Erlebnisraum, als Ort der Begegnung und der Inspiration.

Eva Angyan hat dazu Stimmen prominenter Interpreten eingefangen, die sich im Musikverein zu Hause fühlen: „Der Musikverein in Wien. Ein Haus für die Musik“ kommt dieser Tage in den Handel.

Bezahlen muss man das Buch noch mit den gewohnten Euroscheinen und -münzen, denn die passende Musikverein-Münze kommt erst zu Neujahr heraus: Geprägt werden Fünf-Euro-Münzen aus Silber, die Motive aus dem „goldenen Saal“ zeigen. „Glücksklänge“ heißt die Jubiläumsgabe der Münze Österreich. Die 50.000 Stück werden wohl sogleich in den Alben der Sammler verschwinden; doch von den 180.000 Musikverein-Fünfern in Kupfer wird vielleicht der eine oder andere zu erhaschen sein.

Mit ihm darf auch bezahlt werden. Er ist genau fünf Euro wert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2019)