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Wahlen: Kampf um Budapest und Győr

Viktor Orbán.
Viktor Orbán.(c) REUTERS (BERNADETT SZABO)

Ungarn wählen Bürgermeister und kommunale Vertretungen.

Budapest. Etwa acht Millionen Ungarn waren am gestrigen Sonntag zu den Wahlurnen gerufen: In rund 3200 Gemeinden wurden die Lokalparlamente und Bürgermeister gewählt. Besonders umkämpft ist die Hauptstadt Budapest. Nach letzten Umfragen im Vorfeld der Wahl lagen im Rennen um den Posten des Bürgermeisters Amtsinhaber István Tarlós von der Regierungspartei Fidesz und Gergely Karácsony, der gemeinsame Kandidat der Opposition, praktisch gleichauf.

Die Opposition hofft darauf, mit gemeinsamen Kandidaten zumindest in Großstädten die Dominanz der Fidesz-Partei des nationalpopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zu brechen. Bei den letzten Kommunalwahlen 2014 gewann Fidesz bei einer Wahlbeteiligung von rund 43 Prozent und gegen eine zerstrittene Opposition in 20 der 23 größten Städte des Landes. In Budapest siegte die Regierungspartei in 17 der 23 Stadtbezirke.

 

Skandalöse Orgie

Spannend wird das Votum in Győr, der zweitgrößten Stadt Ungarns. Ende September hatte ein anonymer Blogger Videoclips von einer Sexorgie auf einer Luxusjacht vor der kroatischen Mittelmeerküste veröffentlicht, in denen Győrs Bürgermeister, Zsolt Borkai, beim Geschlechtsverkehr mit einer mutmaßlichen Prostituierten zu sehen ist. Das Video soll aus dem Jahr 2018 stammen, neben dem Fidesz-Politiker ist darin auch Anwalt Zoltán Rákosfalvy zu erkennen, ein enger Verbündeter Borkais und einer der reichsten Männer im Land.

Im Stab der Regierungspartei wird seit dem Platzen des Skandals zwei Wochen vor den Kommunalwahlen befürchtet, dass die Affäre den Fidesz-Bürgermeisterkandidaten im ganzen Land schaden könnte.  (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2019)

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