Sieg in Slowenien

Die EM ist für Österreich zum Greifen nah

SOCCER - UEFA EURO 2020 quali, SLO vs AUT
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Österreich zeigte beim 1:0-Sieg in Slowenien seine Qualitäten, hatte aber auch das nötige Glück. Im Heimspiel gegen Nordmazedonien in fünf Wochen genügt bereits ein Punkt.

Österreichs Fußballnationalmannschaft hat Sonntagabend einen gewaltigen Schritt Richtung EM 2020 gemacht. Das ÖFB-Team gewann in Ljubljana gegen Slowenien nach einem Tor von Stefan Posch in der 21. Minute mit 1:0. Damit reicht der Mannschaft von Franco Foda am 16. November in Wien gegen Nordmazedonien (0:2 in Polen) schon ein Unentschieden, um das EM-Ticket zu lösen.

Foda veränderte seine Aufstellung im Vergleich zum Israel-Spiel drei Tage zuvor nur an einer Position, und selbst das tat er nicht freiwillig. Der Oberschenkel von Marko Arnautović spielte nicht mit, der Torjäger vom Dienst wurde durch Michael Gregoritsch ersetzt. Damit bekam das Spiel gegen die Slowenen einen historischen Anstrich, es war so etwas wie ein personeller Stresstest, standen doch erstmals seit September 2010 weder Arnautović noch David Alaba (Rippenverletzung) in der Startformation.

Für Gregoritsch, der zuletzt seinen Stammplatz in Augsburg verloren hatte, war es der 15. Länderspieleinsatz, der vierte von Beginn an. Und der Steirer war es auch, der in der 13. Minute die erste Topchance des Spiels vorfand. Nach Vorarbeit von Marcel Sabitzer zog Gregoritsch im Strafraum ab, Torhüter Jan Oblak, der sein Geld bei Atletico Madrid verdient, rettete.

Ein Tor, zwei Mal Glück

Es war ein durchaus unterhaltsames Fußballspiel, das die 16.000 Zuschauer, darunter 700 Fans aus Österreich, im Stadion Stozice zu Ljubljana zu sehen bekamen. Und es gewann an zusätzlicher Brisanz, als Österreich in Führung ging. Nach einer Lazaro-Ecke köpfelte Stefan Posch zum 1:0 ein (21.), es war das erste Länderspieltor des Rechtsverteidigers.

Das ÖFB-Team war schon in Halbzeit eins die bessere Mannschaft, ohne die ganz großen Möglichkeiten vorzufinden – doch man hatte auch gewaltiges Glück. Zuerst blieb ein Handspiel von Gregoritisch im eigenen Strafraum ungeahndet (34.), wenig später sah Andreas Ulmer für sein brutales Einsteigen gegen Bezjak nur Gelb (37.) – Österreich hätte eigentlich über 50 Minuten in Unterzahl spielen müssen. Und die Slowenen? Sie hatten ihre beste Szene unmittelbar vor der Pause, als sich der wie schon gegen Israel unsichere Cican Stankovic bei einer Ilicicic-Flanke strecken musste.

Österreich hätte sich nach der Führung zurückziehen und auf Konter lauern können, weil Slowenien diese Begegnung unbedingt gewinnen musste – die zweite Halbzeit aber gehörte ausschließlich den Gästen. Sie zeigten nun vermehrt ihre Qualitäten, mit jeder Minute wurde man selbstbewusster. Immer wieder trug Rot-Weiß-Rot gefällige Kombinationen vor, kam auch zum Abschluss, etwa durch den wieder einmal starken Konrad Laimer (48.), Gregoritsch (60.) und Sabitzer (63.).

Slowenien geht in Harmlosigkeit unter

Die Slowenen hingegen waren erschreckend harmlos – und die „Slovenia, Slovenia“-Anfeuerungsrufe von den Rängen trugen keineswegs zur Besserung bei. Nicht einmal in der Schlussphase drängte die Elf von Matjaz Kek auf den Ausgleich, mehr als einen harmlosen Schuss von Ilicic (87.) brachte sie nicht zustande.

Stattdessen entlud sich noch all der Frust, der sich aufgestaut hatte. Popovic, erst zehn Minuten auf dem Rasen, sah nach einem Ellbogencheck gegen Sabitzer Rot. Wenig später ertönte der Schlusspfiff, gefolgt von einem lauten Jubelschrei Fodas. Das Heimspiel gegen Nordmazedonien in knapp fünf Wochen könnte für den ÖFB zu einer großen Party werden.

("Die Presse", Printausgabe 14.10.2019)