Umfrage

Österreicher halten Sparbuch für „nicht zeitgemäß“

(c) APA/BARBARA GINDL

Dass man mit dem Sparbuch real Geld versenkt, ist den Österreichern bewusst, wie eine Umfrage der Erste Bank zeigt. Dennoch lassen sie ihr Geld dort oder auf dem Konto liegen. Und zwar weit mehr als den Notgroschen.

Wien. Dass das Sparbuch keine ideale Anlageform ist, um sein Vermögen zu vermehren, ist bekannt. 62 Prozent der 900 von Imas International im Auftrag der Erste Bank Befragten finden das Sparbuch nicht oder kaum zeitgemäß. Als Gründe für die negative Einstellung führt man vor allem die niedrigen Zinsen ins Treffen. Demgegenüber finden 38 Prozent das Sparbuch noch immer zeitgemäß, weil das Geld dort jederzeit verfügbar und sicher ist.

Für den Notgroschen, wenn man etwa Geld für eine neue Waschmaschine benötigt, sei das Sparbuch wohl geeignet, stellt Erste-Privatkundenvorstand Thomas Schaufler fest. Dividiere man jedoch die 260 Mrd. Euro, die auf Bankkonten und Sparbüchern liegen, durch vier Millionen Haushalte, könnte sich jeder Haushalt 65 Waschmaschinen leisten. Ein üppiger Notgroschen also, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass das Geld ja auch ungleich verteilt ist und wohlhabende Haushalte weitaus mehr als 65.000 Euro auf dem Sparbuch liegen haben.

Die Bankeinlagen der Österreicher sind in den vergangenen zehn Jahren um 26,5 Prozent angewachsen, und zwar nicht wegen der fetten Rendite (die gibt es schon lang nicht mehr), sondern weil so viel Geld auf dem Konto liegen bleibt. Hätten die Haushalte vor fünf Jahren zehn Prozent ihrer Bankeinlagen in Aktien umgeschichtet, hätten sie eine zusätzliche Rendite von sieben Milliarden Euro erzielt, rechnet Erste Bank-Vorstand Peter Bosek vor.

Dabei ist die Sparquote laut Berechnungen der Oesterreichischen Nationalbank seit 2009 von 11,4 auf 7,4 Prozent gesunken. Eigenen Angaben zufolge legen die Befragten monatlich 259 Euro zur Seite. 82 Prozent tun das, um einen Notgroschen zu haben (also Geld für die Waschmaschine). Der Anteil derer, die ein Haus, eine Wohnung oder ein Auto kaufen wollen, ist seit 2009 von 42 auf 49 Prozent gestiegen.

 

Sparen, um zu konsumieren

Dafür ist das Ziel, für das Alter oder die Pflege zu sparen, auf 40 Prozent und damit den dritten Platz zurückgefallen. An Bedeutung gewonnen hat das Motiv, sich mit dem Ersparten einen Urlaub zu finanzieren: Wollten das vor zehn Jahren 22 Prozent, waren es zuletzt 31 Prozent.

Für den Konsum zu sparen, ist jedenfalls wichtiger geworden. Das könnte auch damit zu tun haben, dass man mit sehr sicherheitsbetonten Sparformen kaum Chance auf Rendite hat. Und 84 Prozent der Befragten sehen sich als sicherheitsbetonte Sparer. Dass es Alternativen zum Sparbuch gibt, ist ebenfalls bekannt. 30 Prozent sehen im Bausparen eine gute Möglichkeit, 28 Prozent in Aktien.

Doch wäre es jetzt angesichts der seit Jahren stark steigenden Börsenkurse und der zahlreichen politischen und konjunkturellen Unsicherheiten überhaupt noch eine gute Idee, das Geld vom Sparbuch abzuheben, um damit Aktien zu kaufen? Wer 10.000 Euro zur Verfügung habe, sollte diese nicht auf einmal in Aktien stecken. Doch tranchenweise, um sicherzustellen, dass man nicht den denkbar schlechtesten Zeitpunkt erwischt, könne man das schon tun, meint Schaufler. (b. l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2019)