Ein Highlight der Ausstellung: Caravaggios „Narziss“, um 1601, aus der Villa Barberini in Rom.
Ausstellung

Wieder Drama im KHM: Die Römer sind da!

Ein Höhepunkt der bisherigen Ära Sabine Haag ist diese erste Ausstellung zu den Barockstars Caravaggio und Bernini in Österreich. Die kapitalen Leihgaben lassen auch die reichen eigenen Bestände wieder strahlen.

Schon der Weg dorthin ist Inszenierung: Die heftig beworbene Sonderausstellung beginnt nämlich nicht im gewohnten Sonderausstellungssaal, man wird erst durch den hinten, neben dem Café liegenden Canaletto-Saal gelotst, vorbei an den Bildern, die unsere österreichische Vorstellung des Barock geprägt haben – Maria Theresia, Schönbrunn, alles ein bisschen bieder immer. Dann schon die erste Steigerung der Temperatur: Im Saal VI wird in Petersburger Hängung vorgeführt, dass die Habsburger sehr wohl auch ein Faible für das deftigere römische Barock hatten, weshalb im KHM immerhin die größte Sammlung caraveggesker Kunst außerhalb Italiens beherbergt wird. Dann muss man noch durch seinen Tizian, antik und mild.

Und dann zack. Knallt er einem schon entgegen aus dem mythischen Dunkel der hier beginnenden Sonderschau, der marmorhelle Schlangenkopf der Medusa, den Gian Lorenzo Bernini Ende der 1630er-Jahre so drastisch, so unmittelbar, so nah wie noch nie wer zuvor in der Skulptur den Römern vor die Nase hielt. Der versteinerte Kopf dieser monströsen Unglücklichen, deren Blick der Sage nach doch eigentlich uns versteinern sollte! Was spielt sich da nur ab in ihrem so klassischen Gesicht – Ekel? Furcht? Staunen? „Wer nicht Staunen machen kann, dessen Platz ist im Stall“, formulierte Bernini-Zeitgenosse und Dichter Giambattista Marino die Kriterien für die damalige Kunst.