Deutsche Anleihen: Sicher, aber unrentabel

(c) AP (Richard Drew)
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Die Renditen deutscher Anleihen sind niedrig wie lange nicht. Kaufen zahlt sich für Private nicht aus, „weil der Zinssatz gering ist“.

Wien (Bloomberg/nst). Die Unsicherheit auf den Finanzmärkten, der schwächelnde Euro-Dollar-Kurs, die geringere Bonität der Staaten: All dies hat in den vergangenen Wochen dazu geführt, dass Investoren sich auf die Suche nach sicheren Anleihen begeben haben. Vor allem, seit Spanien am vergangenen Freitag sein Triple-A-Rating verloren hat und auf ein AA+ herabgestuft wurde. „Spaniens Herabstufung hat die Nachfrage nach sicheren Anleihen verstärkt“, sagt Orlando Green von Crédit Agricole.

Vor allem deutsche Bundesanleihen dürften wieder gefragt sein. Und das, obwohl die Renditen niedrig sind wie lange nicht. So sank die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe vergangene Woche auf ein historisches Tief von 2,57 Prozent. Gestern, Dienstag lag die Rendite bei Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit bei 2,6 Prozent. Dies ist zugleich wiederum ein Indikator dafür, dass viele Investoren an deutschen Bonds, die in Europa als Benchmark betrachtet werden, interessiert sind. „Der Trend nach Bundestiteln über alle Laufzeiten hinweg bleibt ungebrochen“, erklärte vergangene Woche ein Sprecher der deutschen Finanzagentur, die für das Schuldenmanagement des deutschen Staates verantwortlich ist.

„Jeder, der aus dem Euro raus will, kauft US-Anleihen. Jeder, der innerhalb Europas investiert sein muss, verkauft portugiesische und griechische Anleihen zugunsten deutscher Bonds“, sagt Raiffeisen-Analyst Jörg Angelé. „Die Investoren nehmen dabei geringe Renditen in Kauf, weil für sie Sicherheit und Liquidität Trumpf sind.“

Für Privatanleger sind deutsche Anleihen aber eher uninteressant, findet Angelé, „weil der Zinssatz gering ist“. Sobald die Zinsen wieder steigen, könnten Anleger massive Kursverluste erleiden. Je nach Laufzeit würde „man nicht einmal die Inflation herausbekommen. Wenn man mutig ist, kann man auch griechische und spanische Anleihen mit kurzer Laufzeit (halbes Jahr) kaufen“, sagt Angelé. Die Renditen sind hier nämlich höher, zugleich aber auch die Ausfallswahrscheinlichkeit der Bonds. „Bei einem halben Jahr Laufzeit ist diese aber gering“, sagt Angelé.

Auch Rainer Singer von der Erste Bank rät privaten Anlegern davon ab, Staatsanleihen zu kaufen. „Zwar sind die deutschen Anleihen sicher, die Zinsen aber auf einem niedrigen Niveau.“ Das Investment sei daher nicht zu empfehlen, es sei denn, es kommt zu einer massiven Verschärfung der Krise.

US-Anleihen unter Druck

Generell sind die Analysten der Erste Bank von deutschen Anleihen überzeugt. Sie sind nämlich der Ansicht, dass US-Anleihen unter Druck geraten könnten, sobald sich die Situation in Europa beruhigt habe. Gudrun Egger von der Erste Bank begründet dies mit der Schuldensituation der USA. Während Deutschland für 2011 ein Defizit von minus 4,7 Prozent vorausgesagt wird, sind es in den USA knapp zehn Prozent. Die USA sollten daher trotz eines höheren Wachstums Konsolidierungsmaßnahmen anstreben, sagt Egger.

AUF EINEN BLICK

Turbulente Finanzmärkte lassen Anleger in sichere Anleihen flüchten. Deutsche Anleihen zählen zu den sichersten Europas. Allerdings ist etwa die Verzinsung der deutschen Zehn-Jahres-Anleihe mit rund 2,6 Prozent so gering wie lange nicht. Analysten raten privaten Investoren daher vom Anleihenkauf ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2010)

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