Skandal

Verheimlichte Deutsche Bank Geldwäsche-Fälle?

19.05.2019, Frankfurt, DEU Hauptversammlung der Deutsche Bank AG. Christian Sewing, Vorsitzender des Vorstandes Deutsch
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Jahrelang soll das größte deutsche Geldhaus verdächtige Transaktionen im Zusammenhang mit der Danske Bank nicht offengelegt haben.

Diesmal geht es um Geldwäsche: Die Deutsche Bank hat einem Insider zufolge verdächtige Geldwäsche-Transaktionen im Zusammenhang mit der Danske Bank jahrelang nicht offengelegt. Mehr als eine Million Fälle seien von dem Geldhaus erst im Februar 2019 bekannt gemacht worden, sagte die mit der Sache vertraute Person. Bereits fünf Jahre zuvor hatte ein Whistleblower den Geldwäscheskandal bei der Danske Bank ins Rollen gebracht. Mit 1,1 Millionen Transaktionen aus den Jahren 2014 und 2015 würden sich nun die Ermittlungsbehörden befassen, hieß es. So werde etwa untersucht, ob die Verantwortung für die verdächtigen Geldtransfers bei einzelnen Mitarbeitern oder bei der Führung des größten deutschen Geldinstituts liege.

Die Deutsche Bank lehnte einen Kommentar dazu ab, zu welchem Zeitpunkt sie die betreffenden Transaktionen bei den Behörden gemeldet hat. Die Beziehungen zur Danske Bank seien 2015 beendet worden und sie habe ihre Geldwäsche-Kontrollen verschärft, die Zahl der zuständigen Mitarbeiter erhöht und mehrere hundert Millionen Euro in die Erneuerung der Kontrollsysteme gesteckt. Bei allen relevanten Untersuchungen werde die Bank notwendige Informationen zur Verfügung stellen.

Bis 2015 enge Beziehungen

Die Deutsche Bank war jahrelang als Korrespondenzbank für das dänische Geldhaus tätig, das im Zentrum des weltgrößten Geldwäscheskandals steht. Über die Filiale der Danske Bank in Estland waren in den Jahren 2007 bis 2015 verdächtige Zahlungen in einem Volumen von 200 Milliarden Euro gelaufen. Ende September hatten Ermittlungsbeamte der Staatsanwaltschaft und des Bundeskriminalamts in der Zentrale der Bank Unterlagen im Zusammenhang mit der Danske Bank sichergestellt.

Sollten die Ermittler bei den Untersuchungen feststellen, dass Mitarbeiter oder das Management der Deutschen Bank ihre Beteiligung an den verdächtigen Transaktionen vertuscht hätten, könnten die Banker oder der Konzern mit einer Strafverfolgung rechnen. Das wäre ein weiterer Rückschlag für Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, der dem Institut im Sommer eine drastische Schrumpfkur verpasst hat. Mehr als sieben Milliarden Euro kostet der größte Konzernumbau in der Firmengeschichte, weltweit müssen 18.000 Mitarbeiter gehen.

Die Finanzaufsicht BaFin, die Meldungen bei verdächtigen Geldtransaktionen sammelt, lehnte eine Stellungnahme ab. Ein Insider sagte, dass der Deutschen Bank im Falle von womöglich verspätet abgegebenen Verdachtsfällen jedoch keine Strafe der BaFin drohe, da sie im Zusammenhang mit dem Danske-Skandal nur eine Rolle als Korrespondenzbank inne gehabt habe.

(Reuters)