Pils für die WM: Hopfenwadeln

Pils Hopfenwadeln
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Was Massageöle für Fußballerschenkel, sind Hopfenöle für Biere: leistungsfördernd. Das Ergebnis: Pils, vielleicht das perfekte Bier für die WM.

Ernst-Happel-Stadion, Wien im Mai 2010. Elf private österreichische Brauer präsentieren einen Karton mit besonderen Bieren zum Fußballschauen. Der Moderator berichtet vom Ergebnis einer Meinungsforschung. Danach sei Frau und Herrn Österreicher „Gut essen und trinken“ wichtiger als Sex. Der anwesende Teamchef Didi Constantini grunzt vernehmlich: „Des kann i mir nit vorstellen.“ Hingegen konnte er, der gern einmal ein Weißbier genießt, zwei weitere Erkenntnisse besagter Untersuchung problemlos abnicken: „Fußball gemeinsam mit Freunden schauen“ steht auf Platz eins der Desideraten-Hitparade des WM-durstigen Publikums. Dicht gefolgt vom Bier.

Bei Fußballgroßereignissen steigt der Bierabsatz merklich – auch durch eigens gebraute Fußballbiere. Wie etwa das „Fan-Lager“, ein Gemeinschaftsprodukt aus dem Mühlviertel. Es erhält den letzten Kick durch sogenanntes „Hopfenstopfen“. Dabei wird feinster Naturhopfen in (ungebrauchten) Damenstrümpfen dem schon vergorenen Bier beigefügt. Die Hopfenöle werden so gleichsam einmassiert, in die Wadeln des werdenden Biers.

Koproduktion. Gut Gehopftes ist für den Genuss während der Übertragungen aus Südafrika besonders zu empfehlen. Der Hopfen schenkt dem Bier nämlich weit mehr als angenehme Bittere. Über tausend verschiedene Inhaltsstoffe hat man im Lauf der Jahrhunderte identifiziert. Für Fußballfans die vielleicht wichtigste Wirkung: Hopfen beruhigt. Ein Pils zum Match sorgt also auch dafür, dass man die spannendsten Momente eines WM-Spiels gut verträgt.

Ein Pils ist ein gut gehopftes, schlankes Vollbier, laut Codex muss es hell und klar sein. Zahlreiche heimische Brauereien bieten ein Pils an. Diese Biere sind allerdings nicht immer so leicht zu bekommen. Gasthäuser wie Lebensmittelmärkte führen oft nur das Märzen einer Marke, denn der Hauptstrom des breiten Trinkgeschmacks bewegt sich in Richtung milderen Gebräus. „Hopheads“ lieben allerdings die Aromen einer echten Hopfenblume. Ein Pils hat beides, je nach Rezept in unterschiedlicher Komposi-tion. Man kann mittels Hopfensortenwahl (es gibt Bittersorten und Aromahopfen) steuern und unterschiedliche Zeitpunkte für die Hopfengabe(n) im Brauprozess wählen: Von „bereits bei der Kochung“ über „kurz vor dem Ausschlagen“ bis zu „während der Reifung“ („Hopfenstopfen“). Für die Herstellung sieht der Braumeister bis zu vier Hopfengaben vor (desselben Hopfens oder verschiedener Sorten).

Pils ist ursprünglich eine bayerisch-altösterreichische Koproduktion. Die Bierqualität in Pilsen war nicht berühmt, weshalb man den bayerischen Braumeister Josef Groll engagierte. Der erste Sud nach Neu-Pilsener-Art soll am 5.Oktober 1842 gebraut worden sein.

Erfreulicherweise erzeugt der milde Mainstream eine aromatische Gegenströmung. So gibt es seit einigen Jahren ein steirisches „Jahrgangspils“, bei dem das Rezept gleich bleibt, um die jahrgangsbedingten Hopfennoten zu betonen. Erst im Mai 2010 wurde ein Waldviertler Premium-Pils präsentiert, das ausschließlich mit Hallertauer Hopfen der Sorte Saphir produziert wird. Und das Trumer Pils, das in Österreich längst Kult ist, konnte erst vor wenigen Tagen bei der Weltmeisterschaft reüssieren. Beim World Beer Cup.

Heimisches Pils - Auswahl

Zwettler Saphir, Hainfelder Edel Pils, Hirter Privat Pils, Hubertus Bräu Herrnpils, Mohren Pils, Ottakringer Goldfassl Pils, Raschhofer Pils, Schleppe Pils, Schloss Eggenberg Hopfenkönig, Schnaitl Pils de Luxe, Stiegl Pils, Trumer Pils, Uttendorf Pils, Villacher Glockner Pils, Zillertal Pils, Zipfer Pils.

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