Mode, Kunst und Sport: Der Turnschuh

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Das unwahrscheinliche Trio aus Mode, Kunst und Sport hat einen kleinsten gemeinsamen Nenner: Den Turnschuh.

Einer der Gründe für die ­augenfällige Beliebtheit des in Elfern gespielten Sports, der uns dieser Tage wieder verstärkt zu beschäftigen verspricht, ist die Fas­zi­na­tion des reibungslosen Zusammenspiels in einer Gruppe von Athleten. Mannschaftsgeist verpflichtet – umso mehr, als Teamspirit und Kooperationsbereitschaft auch im beruflichen Umfeld Trumpf sind. Dieses Wissen durchweht natürlich auch den Modeolymp, wo man sich letzthin nachgerade kooperationsbesessen gibt: Junge Avantgardedesigner dürfen Capsule Collections für große Häuser erstellen, während Berühmtheiten aller Art sich für tollkühne Gagen mit mehr oder weniger Erfolg als Modemacher versuchen. Eine weitere beliebte Option, nicht unstimmig übrigens in Anbetracht der großen Schnittmenge aus Vernissagen- und Front-Row-Protagonisten, besteht im Schulterschluss von Mode und Kunst. Als besonders kunstkompatible Trägersubstanz wird in diesem Zusammenhang offenbar der Turnschuh empfunden – die beeindruckende Anzahl heranzuziehender Beispiele deutet wenigstens darauf hin. Wen der Kunstprint in Posterformat auf seiner Wohnzimmerwand minder dünkt, der überantworte sich also dieser Alternativmöglichkeit eines niederschwelligen Einstiegs ins Sammlersegment. Die Auswahl kann sich sehen lassen.

Pop-Reigen. Freilich steht nicht eines jeden Künstlers ästhetische Handschrift dem Fuße gleich gut zu Gesicht. Caspar David Friedrich oder Arcimboldo wird der Kunstaffine (einstweilen) vergeblich auf den Regalen seines bevorzugten Sportausstatters suchen. Gut vertreten ist dafür bislang die Riege namhafter Pop-Artists und ihrer Nachfolger, wie ein Rückblick auf Sondermodelle vergangener Saisonen beweist: So wurde etwa Andy Warhols Marilyn Monroe unlängst von Nike auf den Schuh geholt. Bei Puma schickte man derweil eine Roy-Lichtenstein-inspirierte Kollektion ins Rennen um die Gunst genussfreudiger Gemüter. Reebok erkannte in Jean-Michel Basquiat, der heuer seinen 50. Geburtstag begehen würde und darob von manch großem Ausstellungshaus gefeiert wird, die ideale Ergänzung für eine Sneaker-Sonderauflage.

Die Stephen-Sprouse-Modelle von Louis Vuitton sorgten mit ihrer Street-Art-Anmutung ebenfalls für viel Aufmerksamkeit in interessierten und wohlinformierten Kreisen; gilt doch der französische Luxuskonzern aufgrund seiner Zusammenarbeit mit Künstlern wie Takashi Murakami oder Richard Prince ohnehin als besonders schöngeis­tig. Der Katzensprung von der Street Art zum Straßenschuh bietet sich ohnehin an: Dieser Meinung war man auch im Team von adidas Y-3 um Yoji Yamamoto und lud den in Brooklyn lebenden Künstler MOMO ein, einige in streng limitierter Auflage produzierte Schuhe zu de­signen.

Das beliebte Prinzip „Exklusivitätssteigerung durch Verknappung“ macht in Anbetracht des verlorenen Unikatcharakters bei solchen Kunst-auf-Massenware-Kooperationen auf ganz neue Weise Sinn. Um die Aura der Einzigartigkeit nicht mehr so gut bestellt ist es allerdings bei den von manch einer Kaffeetasse lächelnden Motiven des Keith Haring, die sich auch in weniger kunstlastigen Haushalten breitmachen. Dessen ungeachtet, entschied sich Tommy Hilfiger für das Lancieren einer Haring-Kollektion, die unlängst bei Colette in Paris lanciert wurde und demnächst weltweit in handverlesenen Boutiquen zu haben ist. Der Ruf der Fuß­­ball-Weltmeisterschaft in Südafrika verhallt natürlich ebenfalls nicht ungehört: Bei Puma wollte man ethnisch inspirierten Mehrwert und wandte sich an den Afroamerikaner Kehinde Wiley. Dieser Haupt- oder einzige Vertreter der etwas ungeschickt bezeichneten Kunstrichtung „Bling-Bling Baroque“ reüssierte mit einer ornamental überfrachteten Ästhetik, die sich, wie auch schon auf der Leinwand, auch am Schuh noch trefflich ausmacht.

Virtuelle Exponate. Jenen, die Gefallen an dieser kleidsamen Kunstdomäne gefunden haben, sei abschließend ein Besuch des Virtual Shoe Museum empfohlen. Dieses von der holländischen Grafikerin Liza Snook ins Leben gerufene Onlineprojekt versammelt in einer umfangreichen Datenbank eine Reihe von aufsehen­erregenden Objekten, die sich nicht selten als echte Kunst-Mode-Hybride ausmachen. In den zu besichtigen­den Abteilungen gibt es einige, und logischerweise sind auch Sportschuhe gut vertreten. „Seit Sneakers Einlass in die Arena des Kulturbetriebs gefunden haben“, so Snook, „hat es einen intensiven Austausch zwischen Kunst, besonders der Pop-Art, und Sneakerdesign ge­geben. Anstatt sich teure Gemälde oder andere Kunstwerke zu kaufen, kann man sein Geld schließlich auch in limitierte Turnschuh-Editionen investieren.“ Pragmatisch knapper, als es die Museumsleiterin tut, lässt sich die Angelegenheit kaum zusammenfassen. Dem ist auch nur mehr ein Hinweis für alle Fußballfreunde mit Kunstverständnis hinzuzufügen, die doch gern die Mona Lisa zu Füßen hätten, während sie gen Südafrika blicken. Auf SneakArt.com lässt sich nämlich eine auf Schuhober­flächen applizierbare Folie erwerben, die nach allen Regeln der Kunst individuell gestaltet werden kann. Freie Bahn also für der Gioconda rätselhaftes Lächeln auf dem Fußballrasen.

Schuh-Kunst in all ihren ­möglichen Facetten findet sich im Virtual Shoe Museum auf www.virtualshoemuseum.com

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