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Spanien

Brennende Straßen bei neuen Protesten in Katalonien

Demonstranten setzten Barrikaden in Brand.REUTERS
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25 Festnahmen und 74 Verletzte. Das ist die Bilanz einer turbulenten Nacht in Barcelona und anderen katalanischen Städten. Nach dem Urteil gegen Separatistenführer kam es dort erneut zu Demonstrationen.

Bei neuen Protesten in der spanischen Region Katalonien gegen die Urteile für neun Separatistenführer ist es in der Nacht auf Mittwoch zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Teils vermummte Demonstranten setzten Medienberichten zufolge unter anderem in der Regionalhauptstadt Barcelona Barrikaden und Kartons in Brand, warfen Gegenstände und beschimpften Polizisten. Sie versuchten eine Barriere vor dem Sitz der Vertretung der Madrider Zentralregierung zu durchbrechen.

Auf Fotos waren brennende Straßen zu sehen. "Offene Schlacht in Barcelona", titelte die katalanische Zeitung "La Vanguardia" in ihrer Online-Ausgabe. Viele Demonstranten hatten Kerzen angezündet und skandierten "Freiheit für politische Gefangene".

Die mit Schutzkleidung und Schilden ausgerüsteten Beamten versuchten mit Schlagstöcken, die Situation unter Kontrolle zu halten. In verschiedenen Städten der Region im Nordosten des Landes seien 25 Menschen festgenommen worden, darunter in Barcelona, Tarragona und Lleida, zitierte die Zeitung "El Pais" eine vorläufige Bilanz der Regionalpolizei Mossos d'Esquadra - wegen Angriffen auf Beamte oder Gefährdung der öffentlichen Ordnung. 74 Menschen mussten demnach wegen Verletzungen behandelt werden.

Regierung verurteilt Proteste

Die spanische Regierung verurteilte die gewaltsamen Proteste in Barcelona und weiteren katalanischen Städten scharf. Eine "Minderheit" setze auf Gewalt in den Straßen der katalanischen Städte, erklärte die Regierung des Sozialisten Pedro Sanchez am Dienstagabend. Es handle sich nicht um eine "friedliche Bürgerbewegung", erklärte die Regierung. Vielmehr würden Gruppierungen Gewalt einsetzen, um das "Zusammenleben in Katalonien" zu zerstören. Die Regierung werde mit angemessener Härte Sicherheit und Zusammenleben in der Region sicherstellen.

Auslöser der Proteste war ein Urteil von Spaniens Oberstem Gerichtshof gegen neun prominente katalanische Unabhängigkeitsbefürworter am Montag. Sie wurden am Montag zu Haftstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt. Im Oktober 2017 hatte eine Mehrheit für die Ablösung Kataloniens von Spanien gestimmt. Daraufhin wurden die Regierungsgeschäfte kommissarisch von Madrid übernommen und einige Separatistenführer verhaftet. Bereits nach Verkündung der Urteile war es am Montag zu Protesten gekommen.

Katalonien im Nordosten Spaniens ist eine wirtschaftlich starke Region. In den vergangenen Jahren hatten verschiedene Politiker das Bestreben nach Unabhängigkeit von Spanien vorangetrieben.

(APA/dpa/Reuters)

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