Analyse

Neue Studie über die aktuelle Neubau-Situation in Wien

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Laut den Auswertungen Fachverband Immobilien und der Bauträgerdatenbank Exploreal werden erstmals mehr Miet-als Eigentumswohnungen gebaut. Für heuer waren 12.700 Bauträger-Wohnungen in der Pipeline, im kommenden Jahr sind es 19.100.

Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder hat heute eine aktuelle Studie zur Wohnsituation in Wien präsentiert. In Zusammenarbeit mit Exploreal sei es “erstmals gelungen, die aktuelle Neubau-Situation in der Bundeshauptstadt detailliert darzustellen”, so Gerald Gollenz, stellvertretender Obmann des Fachverbandes Immobilien- und Vermögenstreuhänder. 

Für die Studie wurden Einträge aus der Bauträgerdatenbank ausgewertet, um Daten über die Neubauprojekte in Wien zu sammeln - darunter realisierte und zukünftige Neubauprojekte ab fünf Wohnungen, inklusive Sanierungen und parifizierte Zinshäuser.

Laut den Auswertungen der Datenbank waren für heuer 12.700 Bauträger-Wohnungen in der Pipeline, im kommenden Jahr 19.100. 2021 gehe die Neubautätigkeit wieder zurück. Wenig überraschend: Am meisten gebaut werde in den Flächenbezirken, also in jenen Bezirken, die über die größten Flächenreserven verfügen: Donaustadt, Leopoldstadt, Floridsdorf, Liesing und Favoriten. 

"Es fehlen Wohnungen im leistbaren Segment im Bereich bis 700 Euro Monatsmiete.”

Michael Pisecky, Obmann der Immobilientreuhänder

Eine weitere Entwicklung ist abzulesen: Während 2018 die Errichtung von Eigentumswohnungen dominiert hat, sind heuer Mietwohnungen in der Überzahl. 2020, zeigt die Studie, werden überwiegend Mietwohnungen fertiggestellt, von denen gefördert errichtete Wohnungen dominieren. 

Ein Blick auf die größten aktuellen Wohnbauprojekte zeigt: Der Trend zur Miete ist auch bei Großprojekten erkennbar, etwa beim Projekt „Wohngarten" der Invester-United Benefits, von denen alle 682 Wohnungen zur freifinanzierten Miete angeboten werden.

2018 kamen mehr Wohnungen auf den Markt als neue Haushalte gegründet wurden. Trotzdem, merkt Michael Pisecky, Obmann der Immobilientreuhänder und stv. Obmann des WKÖ-Fachverbandes an:  “Es gibt immer noch zu wenige Wohnungen. Während im höher- und hochpreisigen Segment genügend Wohnraum vorhanden ist, fehlen Wohnungen im leistbaren Segment im Bereich bis ca. 700 Euro Monatsmiete.”

Kritisch sieht etwa Hand Jörg Ulreich, Bauträgersprecher für die Wirtschaftskammer Österreich, „in der grünen Wiese“ zu bauen. Aus umweltökologischer und volkswirtschaftlicher Sicht besser sei es,  im innerstädtischen Bereich nachzuverdichten. Damit würde man sich auch ersparen, teuer in Infrastruktur zu investieren.

Österreichweite Analyse geplant

Heruntergebrochen auf die Preisklasse, Zimmeranzahl oder Geschoßlagen sind in der Studie unter anderem die “Verwertungschancen nach Wohnungsgrößen” erfasst. Am schnellsten, nämlich innerhalb eines Jahres, werden Wohnungen in der Preisklasse bis 300.000 Euro mit Wohnungsgrößen von 50 bis 90 Quadratmern vom Markt aufgenommen, zeigt die Erhebung. Die geringste Absorption erfahren Wohnungen zwischen 90 und 105 Quadratmetern. Verglichen dazu würden Wohnungen über 600.000 Euro zwei Jahre brauchen, um absorbiert zu werden. 

Als reines B2B-Produkt sei die Studie nicht an Wohnungssuchende, sondern primär an Bauträger, Banken, Sachverständige und Makler gerichtet: “Für Bauträger ist die aktuelle Studie enorm wichtig, um über Lage, Projektart und Zeitpunkt der umsetzung zu entscheiden”, sagt Alexander Bosak, Mitbegründer und Geschäftsführer von Exploreal.

Nach Wien soll in einem nächsten Schritt die Neubausituation in Niederösterreich beleuchtet werden. Für das kommende Jahr ist eine österreichweite Erhebung geplant.