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Randerscheinung

Käsewissensloch

(c) Carolina Frank

Wir sitzen also beim Abendessen, und der Jüngste, der sich gerade ein Blattl Käse auf sein Brot legt, fragt mich doch tatsächlich: „Papa, wie kommen eigentlich die Löcher in den Käse?"

Wir sitzen also beim Abendessen, und der Jüngste, der sich gerade ein Blattl Käse auf sein Brot legt, fragt mich doch tatsächlich: „Papa, wie kommen eigentlich die Löcher in den Käse?" Also genau so fragt er das. Und ich – weiß es eigentlich nicht. Und anders als bei den letzten ähnlichen Gelegenheiten, in denen ich mit Händen und Füßen alles Mögliche gesagt habe, nur die richtige Antwort nicht, sage ich diesmal: „Keine Ahnung, musst du googeln." Und wie pädagogisch wertvoll das ist, muss ich mir noch überlegen (also abwägen zwischen „gut, dass das Kind sieht, der Vater weiß auch nichts" und „vielleicht ein bisserl lieblos"), aber eines ist es jedenfalls: befreiend. Weil ich weiß natürlich urviel gar nicht, aber auch ganz viel nicht mehr, weil es mich eigentlich nicht interessiert. So wie zum Beispiel das mit den Käselöchern. Wenn es wichtig gewesen wäre, hätte ich es mir gemerkt. Wahrscheinlich. Da muss ich noch kurz über den Weltraumfilm mit Brad Pitt reden, den ich kürzlich gesehen habe. Erstens war das jetzt der x-te Film, in dem das All als Kulisse verwendet wurde, um zu zeigen, wie einsam doch der Mensch ist auf seinem blauen Planeten da, aber letztlich natürlich überhaupt überall. Eh, das war schon einmal überlegenswert, aber ich schaue so bald keinen Weltraumfilm mehr. Zweitens ist es unverschämt, wie gut Brad Pitt altert. Normalerweise haben Menschen optisch gute Jugendjahre oder werden desto attraktiver, je älter, aber nein, bei Brad Pitt (und Clint Eastwood) ist beides superduper. Und drittens, was mich wieder zurück zum Ausgangspunkt meines kleinen Loops, nämlich dem Esstisch, bringt: Solange ich dem Jüngsten nicht erklären kann, warum wir mutterseelenallein auf einer Kugel im Weltraum treiben, ist ein Käsewissensloch echt o. k. für mich.