Streamingtipps

Kaputte Teenager, kaputte Helden: So gut sind die neuen Serien auf Netflix, Amazon & Sky

Euphoria
Rue (Zendaya) hat keine Absicht, nach ihrem Entzug clean zu bleiben. Die neue Serie "Euphoria" versammelt Teenager, die sich lustvoll selbst zerstören.HBO

Jugendliche, die ihr Glück im Exzess suchen, mörderische Roboter, ein Dschungel voller Leichen und eine Schulsprecherwahl, die zum brutalen Machtkampf ausartet: „Die Presse" hat die neuen Serien gesichtet.

Euphoria

Teenager im Selbstzerstörungsrausch
Zu sehen auf Sky (2 von 8 Folgen sind bereits erschienen, neue kommen immer mittwochs)

„Are you a prude or a slut?“, fragt die Burschenrunde bei der Party und die schlagfertige Kat weiß genau: Besser, man gilt als Schlampe denn als prüde! Währenddessen hat Maddy draußen im Pool Sex mit einem Studenten, um ihren On-Off-Freund zu ärgern. Jules, transgender und neu in der Stadt, fädelt via App Dates mit älteren, gewaltbereiten Männern ein. Und die 17-jährige Rue, frisch zurück aus dem Drogenentzug, wirft indessen Substanzen ein, deren chemische Namen sie gar nicht erst auszusprechen versucht. Gespielt vom ehemaligen Disney-Kinderstar Zendaya („Greatest Showman“), ist sie in der radikalen HBO-Serie die zentrale Figur unter lauter Teenagern, die sich lustvoll selbst zerstören. Sie sind aufgewachsen zwischen Hard-Core-Pornografie, ADHS-Diagnosen und Amok-Panik, sie fühlen sich gesättigt und zugleich leer – und suchen im hemmungslosen Hedonismus eine Antwort auf die suburbane Langeweile. Bisweilen wirkt „Euphoria“ wie die Dark-Web-Version eines Highschool-Dramas. Der harte Realismus trifft auf rauschhafte Bilder: Rotierende Einfamilienhäuser, nackte Haut im bunten Licht (Familienverbänden ist hier vieles zu explizit), Glitzertränen zu wuchtiger Musik. Sie weine vor Glück, sagt Rue im Delirium. (kanu)

 

Doom Patrol

Chaotische Superhelden
Zu sehen auf Amazon

„Doom Patrol“, das ist eine chaotische, sympathische Superhelden-Truppe, die erst lernen muss, mit ihren Fähigkeiten umzugehen. Was recht unterhaltsam ist. Denn kaum hat der „Chief“ seinen Fuß vor die Tür gesetzt, treiben seine Schützlinge (er hat alle bis auf den Cyborg nach Unfällen selbst zusammengeflickt) Unfug und treffen dabei u. a. einen Esel, der ein Tor zu einer anderen Welt ist und zerstörerisch furzen kann. Ein schräges Szenario mit ziemlich kaputten Superhelden: Cliff lebt nach einem Unfall in einem rostigen Roboterkörper, Rita geht im Zorn zu einer unförmigen Masse auf, und Crazy Jane ist in 64 Persönlichkeiten gespalten. Krass! (i. w.)

 

Green Frontier

Mord und Magie im Regenwald
Zu sehen auf Netflix

Der Dschungel ist der Hauptdarsteller in „Frontera Verde“. Umkämpft ist er hier nicht wie in der Realität wegen seines fruchtbaren Bodens, sondern wegen der Geheimnisse über das Leben, die er birgt. Und über den Tod. Der Fund von fünf Frauenleichen führt Kommissarin Helena Poveda (großartig: Juana del Rio) von Bogotá in ihren Geburtsort an der brasilianisch-kolumbianische Grenze. Dabei dringt sie immer weiter in ihre Vergangenheit vor. Parallel erzählt die Serie vom Überlebenskampf zweier Ureinwohner.

„Frontera Verde“ verwebt Magie und Krimi, bildgewaltig inszeniert u. a. von Ciro Guerra („Birds of Passage“). „Der Dschungel ruft mich“, sagt Poveda einmal. Er ruft aus den Kehlen tausender Vögel. Gerade in der stillen Jahreszeit ist diese betörende Serie ein Glücksfall, nicht nur für Wärme-Sehnsüchtige. (her)

 

Better Than Us

Russische Science-Fiction
Zu sehen auf Netflix

In dieser Serie sind Roboter überall: Sie erledigen die Arbeit von Pflegern, Technikern oder Hausangestellten, sogar als Sexualpartner sind sie keine Seltenheit. Davon sind nicht alle Menschen im Moskau des Jahres 2029 begeistert, auch wenn sie noch gar nichts von dem Roboter wissen, der wie eine Porzellanpuppe aussieht und Männer mit einem Handgriff tötet – Roboterfrau Arisa ignoriert Isaac Asimovs Gesetze der Robotik. Sie sucht sich ein kleines Mädchen als Erstnutzer mit voller Verfügergewalt aus und entwickelt Empathie. Die russische Serie, psychologisch interessant, aber leider nicht immer ganz durchdacht, hat spannende Momente. (rovi)

 

The Politician

Top-besetzte Highschool-Dramedy
Zu sehen auf Netflix

Schon als Kind hat Payton einen Traum: „Ich will Präsident der Vereinigten Staaten werden“. Um dafür zu üben, strebt er das Amt des Schulsprechers an – und versteigt sich in einen brutalen Machtkampf, bei dem alle Register der Manipulation gezogen werden: Gegner werden diffamiert (oder sterben), falsche Gerüchte werden gestreut, Menschen werden wegen ihrer Hautfarbe, Krankheit oder Behinderung benutzt (sie sollen Diversität signalisieren). Und Paytons auf braves College-Girl gestylte Freundin dient als Feigenblatt: Sie lächelt seine homosexuellen Tendenzen mit gebleachten Zähnen weg und vermittelt nach außen den Eindruck, Payton wäre zu echter Emotion fähig. Vorspielen kann er die aber prächtig: Wer die ergreifendste Rede hält, hat die Sympathien in der Tasche.

„The Politician“ ist kein seichter Spaß, sondern eine kluge Politik-Satire, bei der einem manches Lachen im Hals stecken bleibt. Für die richtige Balance sorgt neben der durch die Abgründe der Skrupellosigkeit mäandernden Story eine Top-Besetzung – u. a. Ben Platt als machtbesessener Streber Payton, Jessica Lange als unverschämte Schreckschrauben-Oma und Gwyneth Paltrow als säuselnde Adoptivmama. (i. w.)

 

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