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Deutschland: Wulff soll Köhler als Präsident folgen

Angela Merkel Christian Wulff
Christian Wulff und Angela Merkel(c) REUTERS (Fabrizio Bensch)
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Die schwarz-gelbe Koalition hat sich auf den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff geeinigt. Die Opposition will den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck ins Rennen schicken.

Berlin (dpa). Die Weichen für die Wahl des neuen deutschen Bundespräsidenten sind gestellt. Es wird nicht die „Mutter der Nation", dafür „der Traum aller Schwiegermütter". Statt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (51) soll nun der niedersächsische Regierungschef Christian Wulff (50) auf Horst Köhler folgen. Für diese Wende sorgten Widerstände aus den eigenen Reihen, unter anderem aus dem Südwesten, aber auch die starke Position von Parteivize Wulff in der dezimierten Machtspitze der CDU.

„Wenn er will, dann wird er es", hieß es bereits am Mittwoch zu Wulffs Chancen. So sah das auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, auch wenn sie wie CSU-Chef Horst Seehofer ihre Vertraute von der Leyen nicht ungern im Schloss Bellevue gesehen hätte. Als Favoritin hatte die CDU-Vorsitzende die siebenfache Mutter allerdings wohlweislich auch intern nicht ausgerufen. Insofern steht die Kanzlerin am Ende nicht als Verliererin da im parteiinternen Poker um das höchste Staatsamt.

Wulff konnte in der Kandidatenfrage weitgehend frei operieren. Er habe sich selbst ins Gespräch gebracht, wurde kolportiert. Noch vor Tagen hatte er ganz andere Signale gesetzt. Deshalb war der Niedersachse im Kandidatenranking zunächst auch nach unten gerutscht. Bundestagspräsident Norbert Lammert („zu unabhängig") und Finanzminister Schäuble („im Kabinett unverzichtbar") waren inzwischen schon aus dem Rennen.

„Nur kurze Bedenkzeit"

Merkel hatte von Seehofer und FDP-Chef Guido Westerwelle freie Hand bei der Klärung der Frage erhalten, ob Wulff oder von der Leyen antreten sollten. Nach der Entscheidung hieß es: „Es gab für Wulff nur eine sehr kurze Bedenkzeit."

Am Donnerstagnachmittag trafen sich die drei Spitzenkoalitionäre erneut im Kanzleramt. Man beschloss, noch am selben Abend die Kandidatenausrufung im Reichstag über die Bühne zu bringen. Das rasche Handeln sollte Entschlusskraft zeigen. Dann ging es mit den Verhandlungen zum Sparpaket weiter.

Auch Wulff passt in Merkels Kandidaten-Profil: Er soll politische Erfahrung mitbringen, keine Überraschungen liefern wie der Halsüberkopf-Abgang von Köhler und zur Stabilisierung der schwarz-gelben Koalition beitragen. Ein Nebeneffekt: Der Niedersachse ist der letzte Ministerpräsident der Union, der Merkel jederzeit beerben könnte. Dass Wulff nicht als erste Wahl gehandelt wurde, hing auch mit seiner - viele meinen: gespielten - Zurückhaltung bei Berliner Avancen zusammen. 2008 hatte er gesagt: „Mir fehlt der unbedingte Wille zur Macht und die Bereitschaft, dem alles unterzuordnen." So richtig wurde ihm das aber nicht abgenommen.

Kein klassischer Konservativer

Der Jurist aus Hannover ist kein klassischer Verfechter des konservativen Flügels. Sein Privatleben passt auch nicht in dieses Schema: Der Katholik trennte sich von seiner ersten Frau und heiratete seine langjährige Lebensgefährtin.

Nach seiner Nominierung hat er die Stärkung des Zusammenhalts der Gesellschaft als seine Hauptaufgabe bezeichnet: Er wolle versuchen, die Menschen zusammenzuführen und Optimismus in der wirtschaftlich schwierigen Zeit zu verbreiten. „Diese große Aufgabe mit großer Verantwortung reizt mich, ich möchte sie gern wahrnehmen." Er sei gerüstet für „die große Aufgabe mit großer Verantwortung" und freue sich darauf.
ss-4;0SPD und Grüne treten mit dem früheren DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck als chancenlosem Gegenkandidaten an.

Christian Wulff

■ Christian Wulff (geboren 1959 in Osnabrück) ist seit März 2003 Ministerpräsident des Bundeslandes Niedersachsen. Er gehört der CDU an. Er ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei leibliche Kinder.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2010)