Lotte Tobisch in ihrer Wohnung am Opernring, wo sie mehrere Jahrzehnte lang lebte.
Nachruf

Eine richtig coole Grande Dame

Lotte Tobisch war Künstlerin, kritische Zeitzeugin, bissige Kommentatorin, engagierte Helferin, eine Wiener Institution. Und ja, den Opernball hat sie auch organisiert. Ein Nachruf.

Wenn man Lotte Tobisch ärgern wollte, dann nannte man sie Societylady. Wenn schon, dann war sie eine Societylöwin. Eher aber die Löwenbändigerin, als die sie auf dem Cover eines ihrer Bücher mit einem ausgestopften Exemplar aus dem Naturhistorischen Museum posiert. Salondame war sie übrigens auch keine: Das sei „ein Fach im Theater“.
Lotte Tobisch war resolut und trocken humorvoll, selbstbewusst und schlagfertig, für Wien ungewöhnlich ehrlich und direkt. Ihren (Brief-)Freund Theodor W. Adorno hat sie lang überlebt. Erst im Juli hatte sie sich in einem Gespräch für das „Spectrum“ der „Presse“ zu dessen 50. Todestag an ihn zurückerinnert. Begonnen hatte ihr Austausch mit ihm 1962, als Burgtheaterdirektor Josef Gielen sie anrief und fragte, ob sie zum Mittagessen kommen wolle, Adorno komme auch. „Ich antwortete, ich habe unlängst etwas von ihm gelesen, aber kein Wort verstanden, was mach ich mit ihm, was er mit mir?“