Das Zappeln der Beute verrät der Venusfliegenfalle ihre Größe. Danach bemisst sie die Produktion des Verdauungssafts.
Wissenschaft

Pflanzen auf der Pirsch

Die Raffinesse, mit der fleischfressende Flora hinter Futter her ist, zeigt immer neue Facetten. Selbst der Wert der Beute wird taxiert.

Wer hinter Tieren her ist, als Jäger oder Fallensteller, hält nach lohnender Beute Ausschau und sorgt zugleich dafür, dass er selbst und sein Gerät möglichst unauffällig bleiben. Beides ist nicht banal, vor allem nicht für die, denen man lang weder Jagen noch Fallenstellen zutraute, sondern nur die andere Rolle, die des Gefressenwerdens: „Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels (. . .) gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung.“

So steht es in der Schrift (Genesis 1, 90), und weil er so tief wie vom Augenschein unbelehrbar an sie glaubte, wies Linné, der Systematisierer der Natur, 1786 als Blasphemie zurück, was ihm der Botaniker John Ellis geschickt hatte, eine fleischfressende Pflanze, die er beschrieben und Dionaea muscipula genannt hatte, „Mausefalle der Dione“, das war die Mutter der Venus. Linné blieb dabei: Pflanzen können nicht hinter Tieren her sein, der Schöpfer hat es nicht gewollt!