Burgtheater

„Die Edda“ als entzückender Kindergeburtstag

Kann man die unendlichen alten Geschichten aus Island auf die Bühne bringen? Thorleifur Örn Arnarsson hat es ausprobiert. Daraus wurde ein bunter Hund. Manches ist ein Hammer. Manches aber gar nicht.

Wenn der böse Wolf die Sonne verschlingt, wenn die Nornen am Urdbrunnen die Weltesche begießen, damit Ygdrasil nicht verdorrt, weiß der kundige Leser (oder besser noch Hörer): Das ist die Zauberwelt germanischer Mythen. Solch steinalte Geschichten, fern vom Osten her tradiert, wurden schließlich vor allem in Island aufgezeichnet, von Snorri Sturluson, der vor 800 Jahren die Prosa-Edda verfasste. Es gibt zudem die Ältere Edda mit Götter- und Heldenliedern, ein Sammelsurium, das Werden und Vergehen fassen will und die Zeit dazwischen – irre Familien-Aufstellungen, endlose Kämpfe und Raubzüge, dieman gemeinhin mit dem Begriff Wikinger verbindet. Das Interessante an diesen Sagas ist, dass alle – ob Götter, Zwerge, Riesen oder Menschen – sterben werden. Das Bedrohliche an ihnen ist, dass siealle wiederkommen können. Denn die Natur wird in solchen Kulturkreisen zyklisch gedacht.