Katholischer Erzbischof in der Türkei erstochen

Katholischer Erzbischof Tuerkei erstochen
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Luigi Padovese (63) wurde vermutlich von seinem Fahrer getötet. Das Opfer leitete seit 2008 die türkische Bischofskonferenz. Die Behörden gehen von einem persönlichen Motiv aus.

Der Vorsitzende der türkischen Bischofskonferenz, der gebürtige Mailänder Luigi Padovese, ist am Donnerstag ermordet worden. Der 63-jährige Bischof, der 1965 dem Orden der Kapuziner beigetreten war und seit 2008 die Bischofskonferenz der Türkei führte, wurde im Garten seines Sommerhauses in İskenderun in der südtürkischen Provinz Hatay nahe der Grenze zu Syrien erstochen.

Nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Hatay, Mehmet Celalettin Lekesiz, ist ein Mann namens Murat Altun dringend tatverdächtig. Als er verhaftet wurde, sei er im Besitz der Tatwaffe gewesen. Altun war offenbar der Fahrer des Bischofs, er soll viereinhalb Jahre für Padovese gearbeitet haben. Der Gouverneur sagte, Altun sei zeitweise in psychiatrischer Behandlung gewesen. Gegen ihn wurde am Freitag Anklage wegen Mordes erhoben.

Persönliches Motiv vermutet

Am Donnerstag gingen die Behörden vorerst von einem persönlichen Motiv hinter der Tat aus. Allerdings hat es in der Türkei in den letzten Jahren mehrfach tätliche Angriffe auf Christen bis hin zum Mord gegeben. So wurde 2006 der italienische katholische Priester Andrea Santoro auf der Schwelle seiner Kirche in Trabzon an der Schwarzmeerküste von einem 16-Jährigen erschossen. Die Klärung der Hintergründe dieser Tat blieb dürftig. Es fiel aber auf, dass ungefähr ein Jahr später ein 17-Jähriger aus Trabzon in Istanbul den armenischen Journalisten Hrant Dink erschoss. Die Polizei hatte zuvor aus mehreren Quellen von den Vorbereitungen zu dem Mord erfahren, aber nichts dagegen unternommen.

Einige Zeit nach dem Mord an Santoro wurde in Samsun ein weiterer Priester von einem offenbar psychisch gestörten Mann niedergestochen, überlebte aber. Im Jahr 2007 wurden drei Mitglieder (zwei Türken und ein Deutscher) einer evangelikalen Freikirche in den Räumen eines christlichen Verlages im mittelanatolischen Malatya ermordet. Die Täter, die von der Polizei überrascht wurden, gingen dabei besonders grausam vor.

Wie weit zwischen einigen dieser Taten und dem Mord an Padovese ein Zusammenhang besteht, kann man derzeit nur spekulieren. In der Türkei wurde gelegentlich vermutet, eine Verschwörergruppe aus Zivilisten und Militärs, die sich selbst „Ergenekon“ genannt haben soll, stecke hinter solchen Morden mit der Absicht, die Türkei zu destabilisieren. Mittlerweile wurden über 200 Personen als Ergenekon-Mitglieder angeklagt, und ein großer Teil von ihnen befindet sich in Haft. Es ist fraglich, ob eine derart geschwächte Gruppierung noch weiter handlungsfähig ist. Außerdem gibt es Zweifel daran, ob die Gruppe jemals in dem angenommenen Umfang existiert hat.

In der Türkei wurde der Mord an Padovese auch sogleich damit in Verbindung gebracht, dass er in der syrisch-katholischen Kirche von İskenderun einen Angriff der kurdischen Terrorgruppe PKK auf einen Marinestützpunkt der Stadt verurteilt hatte, bei dem am Montag sechs Soldaten gestorben waren. Doch Padovese war mit dieser Verurteilung keineswegs alleine.

„Phobie“ gegenüber Christen

Jedenfalls gibt es in der Türkei in radikal-islamischen und nationalistischen Kreisen eine Art Phobie gegenüber Christen. Auch der Staat macht ihnen das Leben nicht leicht: So verweigert er seit Jahren dem Ökumenischen Patriarchen von Istanbul mit fadenscheinigen Gründen die Wiedereröffnung des einzigen orthodoxen Priesterseminars der Türkei.

ZUR PERSON

Luigi Padovese (63) war seit 2008 Chef der türkischen Bischofskonferenz. Er war ursprünglich Kapuziner und stammte aus Mailand. [EPA]

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