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Thomas Meyers Realsatire: Das Weltjudentum schlägt zurück

Im neuen Wolkenbruch-Roman von Thomas Meyer geht es nur am Rand um Liebe. Das Buch ist eine voltenreiche, mitunter ausufernde Realsatire.

Wer auf eine simple Fortsetzung von Mordechai "Motti" Wolkenbruchs Liebesabenteuern gehofft hat, der wird in "Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin" enttäuscht. Gut so! Der Schweizer Autor Thomas Meyer hat - anders als seine Serienheldenkollegen beim Verlag Diogenes wie Martin Suter und Donna Leon - einen kreativeren Weg eingeschlagen. Sein Held muss sich in Folge zwei mit größerem Übel als dominanten jüdischen Müttern und kaprizierten Frauen herumschlagen.

Motti ist zum Anführer des Weltjudentums aufgestiegen, einer von einem israelischen Kibbuz aus operierenden, eher erfolglosen Geheimorganisation: das Phantasma der Antisemiten als Realität. Als Gegenspieler bringen sich seit 1945 in einer bayerischen Bergfestung verschanzte Nazis in Stellung, deren Trolle in der Gegenwart mittels "Volksrechnern" (Computer) antisemitische Propaganda verbreiten und mit einer menschenverachtenden "Hassmaschine" (Amazons Quatschapparat Alexa nachempfunden) beinahe den dritten Weltkrieg auslösen. "Sieg digital!", lautet ihr Motto. Schließlich wird Motti noch um ein Haar von der attraktiven neogermanischen Agentin Hulda getötet - wären da nicht sein Sex-Appeal und die rettenden Genüsse der israelischen Küche.

Das Buch ist eine groteske, spannungsgeladene, mitunter ausufernde Satire. Entspannt zurücklehnen kann sich der Leser nicht: Zu viele von Mottis schauderhaften Erlebnissen sind bereits Realität. SOM

Th. Meyer: "Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin", Diogenes, 288 S., 24,70 Euro